Die Erfahrungen von Markus Becker
Markus Becker ist 45 Jahre alt, lebt alleine und hat eine 10jährige Tochter. Seinen handwerklichen Beruf kann er aufgrund seiner Fibromyalgie nicht mehr ausüben. Bereits im Kindesalter litt er unter unerklärbaren Gelenksschmerzen.
Markus Becker erzählt, dass seine
Schmerzen in den Knien während seiner Grundschulzeit begannen. Außer mit
Einlagen wurden diese nicht weiter behandelt. Die später auftretenden Schmerzen
in Knien und Armen brachte Markus Beckers meist mit seiner Arbeit in Verbindung.
Während der Lehre als Maurer bekam er zusätzlich massive Schmerzen in Armen und
Beinen. Weil der Verdacht aufkam, es handle sich um eine chronische
Sehnenscheidenentzündung, wurden ihm mehrmals die Arme eingegipst, was jedoch
zu keinerlei Verbesserung führte. Lange überging Markus Becker seine Schmerzen
und dachte, das gehöre bei seinem Beruf dazu. Als er auch im Rücken Schmerzen
bekam und seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte, wurde 2002 die Diagnose
Fibromyalgie gestellt. Die Ursache sieht Markus Becker unter anderem auch in
psychischen Belastungen. Zusätzlich wurde das „thoracic outlet syndrom“ bei ihm
festgestellt, das durch Durchblutungsstörungen sowie Gefühlsstörungen und
Lähmungserscheinungen des Armes gekennzeichnet ist. Markus Becker absolvierte mehrere
Umschulungen, zunächst als technischer Zeichner, später als Tischler. Aber auch
dort waren die Belastungen für seinen Körper zu groß, er hatte neben den
andauernden Schmerzen noch einen Leistenbruch und einen Bandscheibenvorfall. Jegliche
einseitige Belastungen sind für Markus Becker eine Qual. Sein Rentenantrag
wurde aber bisher noch abgelehnt. Markus Becker hat die Erfahrung gemacht, dass
man ihm nicht zutraut, dass er Schmerzen hat, weil man sie ihm nicht ansieht.
Er schämt sich, wegen seiner Krankheit zu Hause zu sein und nicht arbeiten zu
können.
Im Verlauf hat Markus Becker schon viele Behandlungsversuche
mitgemacht, unter anderem auch eine Operation, Infiltrationen und Akkupunktur,
die alle wenig oder nur kurzfristig Erfolg brachten. Mittlerweile hat er das Medikament
Baclofen gefunden, das ihm hilft sich freier bewegen und auch wieder besser
schlafen zu können. Wenn die Schmerzen sehr stark sind, ändert Markus Becker
seine Position, das schafft ihm Entlastung. Sein Hobby Tai Chi musste er wegen
der Schmerzen aufgeben, kann aber noch Motorrad fahren, was ihm große Freude
bereitet.
Markus Becker findet es wichtig, auch
mit den Ärzten ausführlich reden zu können und verstanden zu werden. Was ihm
sehr gut tut, sind Gespräche mit Freunden, die ihm zuhören und von denen er
sich verstanden fühlt. Außerdem gibt ihm sein Optimismus Kraft, mit seinen
Schmerzen besser umzugehen.
Das Interview wurde im Frühjahr 2009 geführt.
Alle Interviewausschnitte von Markus Becker
Markus Becker hat sich gegen eine Bandscheiben-OP entschieden.
Bei Markus Becker sind die Schmerzen stark abhängig von Haltung und Tätigkeit.
Markus Beckers kleine Tochter nimmt ihn in den Arm, wenn er Schmerzen hat. Das gibt ihm Auftrieb.
Markus Becker war sehr enttäuscht, als der Sport im Fitness-Center seine Schmerzen vergrößerte.
Markus Becker war sehr deprimiert, als er kein Tai Chi mehr machen durfte.
