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Bevor es losgeht

Zwischen der Beantragung und dem Beginn der Reha hatten unsere Erzähler je nach Art und Anlass der Reha einen Zeitraum von wenigen Tagen bis mehreren Wochen zu überbrücken. Nur wenige unserer Interviewten begannen ihre Reha unmittelbar im Anschluss an einen Aufenthalt im Akutkrankenhaus (AHB). Häufig empfanden sie es als Entlastung, dass beim direkten Übergang das Krankenhaus für praktische Dinge wie Anmeldung, Übergang und Transport in die Rehaklinik sorgte. Andere wurden vor ihrer AHB für kurze Zeit (maximal zwei Wochen) aus der Akutklinik nach Hause entlassen. Für wieder andere, die die Reha im allgemeinen Antragsverfahren beantragten, dauerte diese Phase einige Wochen (bei psychosomatischen Rehas häufig mehrere Monate).

Warten, Genesen und Überbrücken Die Interviewten, die zwischen Krankenhaus und Reha-Aufenthalt eine Zeit zuhause verbrachten, berichten von ganz unterschiedlichen Erfahrungen mit dieser „Lücke“. Manche sollten erst noch weiter genesen, um „rehafähig“ und hinreichend mobil zu sein, damit eine Reha überhaupt erst sinnvoll wäre. So konnte/wollte z.B. Birgit Voigt die Zeit nutzen, um sich körperlich soweit vorzubereiten, dass in der Reha ein Erfolg möglich würde. Ana Schulze war froh, dass sie zwischen Krankenhaus und Reha-Aufenthalt nach Hause gehen konnte und dort zumindest so viel Zeit hatte, ihre Sachen zu richten, sich zu schonen und Atem zu holen. Andere, die eine Zwischenzeit zuhause verbrachten, empfanden diese Zeit als öde oder fühlten sich unsicher, da sie keine Anleitung hatten, was sie tun durften und was nicht.

Bernd Watke wäre ein direkter Anschluss zwischen Krankenhaus und Reha lieber gewesen.

Einige unserer Interviewpartner erlebten sich in dieser Zeit wie „auf Abruf“, weil sie wussten, dass sie über ihren Reha-Beginn bei einem freien Platz in der Einrichtung kurzfristig informiert würden. Birgit Voigt informierte sich telefonisch bei der Klinik über die Wartezeit, um sich besser vorbereiten zu können. Für einige, insbesondere diejenigen, die längere Zeit auf eine psychosomatische Reha warten mussten, wurde die Zeit lang und die Ungewissheit schwer erträglich.

Andreas Gmähle fand es in der Wartezeit schwierig, nicht mehr eigenverantwortlich tätig zu sein.

Katja Scholz nahm an einem selbst gezahlten Online-Coaching-Programm teil, um die Zeit bis zur Reha durchzuhalten.

Die Reha vorbereiten: sich informieren, planen und packen Die meisten Interviewten nutzten die Zeit vor der Reha, um den bevorstehenden Aufenthalt vorzubereiten. Manche Interviewte besprachen im Vorfeld mit Familie und Freunden, wann und wieviel Besuch sie während des Reha-Aufenthaltes haben wollten. Brigitte Lenz buchte sich auf eigene Kosten ein Zimmer mit Meerblick, um sich wohlzufühlen. Nicht allen war im Vorfeld der Ablauf der Reha ganz klar. Manche der Interviewten konnten sich in der Vorbereitungszeit bei den Kliniken oder Krankenkassen informieren, was auf sie zukommen würde. Einige der Interviewten berichten, dass sie Formulare und Fragebögen zum Ausfüllen von der Klinik zugesandt bekamen.

Pauline Blume füllte die Fragebögen gewissenhaft aus, damit die Klinik wichtige Informationen über sie hatte

Viele unserer Erzähler mussten in der Zeit zwischen Krankenhaus und Reha-Beginn organisatorische Dinge für den Aufenthalt regeln – wie die eigene Anfahrt organisieren, den Koffer packen oder den Gepäcktransport sicherstellen. Dies wurde häufig als belastend und stressig empfunden, insbesondere wenn noch größere körperliche Einschränkungen vorlagen. Viele der Interviewten berichten, dass sie sich während dieser Zeit noch sehr erschöpft fühlten und mit den organisatorischen Vorbereitungen überfordert waren.

Melanie Brenk empfand die Zeit vor der Reha als sehr stressig.

Insbesondere das Kofferpacken bereitete häufig Stress. Marianne Seiler fand es schwierig, nicht genau zu wissen, was sie für den Aufenthalt brauchen und was auf sie zukommen würde. Sie war froh über Entscheidungshilfen von anderen, die ihr beim Packen halfen. Viele wollten möglichst vollständig alles mitbringen und ließen sich dann durch den Gedanken beruhigen, dass sie das meiste auch am Ort der Reha besorgen können würden, dass Freunde und Verwandte bei Besuchen Dinge mitbringen könnten oder dass man in den Kliniken auch Wäsche waschen könne.

Viele bekamen von ihrer Reha-Einrichtung Informationen darüber, was sie mitbringen sollten. Unsere Erzähler geben aber auch zusätzliche Tipps:

  • Etwas für die freie Zeit an den Wochenenden oder zwischen den Therapien (siehe Umgang mit der freien Zeit): Dinge, die Spaß machen oder die man immer schon mal machen wollte. Zum Beispiel Strickzeug, Bücher, Filme, Reiseführer für die Gegend der Reha, Schreibzeug oder Tagebuch.
  • Regenfeste Kleidung, Sportsachen und Schuhe für drinnen und draußen, Badesachen.
  • Etwas Persönliches von Zuhause, um sich das Zimmer persönlicher und heimatlicher zu gestalten (z.B. Fotos oder Deko).

Zuhause lassen, finden einige Erzähler, sollte man Dinge, die mit der Arbeit zu tun haben, oder viel Elektronik: Smartphone- und Internetnutzung sollte man lieber reduzieren.

Die eigene Abwesenheit organisierenManche mussten während der Wartezeit die Zeit ihrer Abwesenheit organisieren. Beruflich berichten einige von Sorgen über ihren Arbeitsausfall. Einige der Interviewten fragten sich, ob es wohl ohne sie gehen würde (siehe Kontakt zu Kollegen und Vorgesetzten). Michael Hanter plagte im Vorfeld wegen seiner Freiberuflichkeit vor allen Dingen Existenzangst.

Auch in der Familie musste die Zeit der Abwesenheit organisiert werden (siehe Bedeutung der Reha für Partnerschaft und Familie). Einige der Interviewten stellten sich die Frage, wie sie und die Familie emotional mit der Trennung umgehen würden und ob sie dennoch von der Reha profitieren könnten. Insbesondere bei den Interviewten, die Kinder haben, mussten zudem viele organisatorische Dinge im Vorfeld geregelt werden.

Andreas Gmähle hatte Sorge, wie seine Kinder und er selbst mit der Trennung klarkommen würden.

Die Reha rechtfertigenVor Reha-Beginn wurden viele unserer Erzähler auch mit den Reaktionen von anderen konfrontiert, wenn diese von dem Reha-Vorhaben erfuhren. Hier machten unsere Erzähler sehr unterschiedliche Erfahrungen. Manche wurden durch Aussagen aus ihrem Umfeld verunsichert. Im beruflichen Umfeld spürten manche den Neid ihrer Kollegen und hörten Vorwürfe. Einige berichten, dass ihnen mit Skepsis begegnet wurde und es in Frage gestellt wurde, ob sie so krank seien, dass sie eine Reha bräuchten oder ob sie es so lange fort von zuhause aushalten würden. Manchmal reagierten die Arbeitgeber auch mit Unverständnis, wenn sie hörten, dass ihr Mitarbeiter in Reha gehen würde.

Insbesondere die Interviewten, denen eine psychosomatische Reha bevorstand, erlebten es als schwierig, anderen Personen im Vorfeld von ihrem Vorhaben zu erzählen und ernteten manchmal befremdete Reaktionen. Julia Bach nannte den meisten Freunden keinen Grund für ihren Reha-Aufenthalt. Claudia Frohwein erzählte den meisten Leuten überhaupt nicht, dass sie in Reha gehen würde.

Josef Vögtle wurde vor der Reha Angst gemacht.

Julia Sommer fühlte sich überfordert, als sie zum ersten Mal hörte, sie solle in eine psychosomatische Klinik gehen.

Die meisten erzählen jedoch, dass sie insgesamt von ihren Familien, Freunden, Kollegen, Vorgesetzten und Ärzten unterstützt worden seien. Sie hatten das Gefühl, ihnen werde die Auszeit auf der Arbeit „gegönnt“, und berichten von positiven Reaktionen und guten Wünschen.

Andreas Gmähle erlebte positive Reaktionen am Arbeitsplatz.

Birgit Voigt wurde von ihrem Umfeld bekräftigt, für sich zu sorgen.

Erwarten und Befürchten, Hoffen und BangenIn der Wartezeit vor der Reha waren unsere Interviewten mit ihren Erwartungen, Hoffnungen und Befürchtungen beschäftigt. Sie berichten zum Beispiel von der Sorgen darüber, dass die Zeit sehr lang werden könnte, dass es langweilig werden würde, dass sie fehl am Platz sein könnten, dass die Klinik sich möglicherweise mit dem Krankheitsbild nicht ausreichend auskenne und der Aufenthalt deshalb nichts bringen würde. Manche hatten Angst, den Mitpatienten vielleicht nicht aus dem Weg gehen zu können. Julia Bach hatte vor allem Sorge, in der psychosomatischen Klinik etwas „eingeredet“ zu bekommen und bewertet zu werden. Britta Eyfried hatte vor allem Sorge vor der Fremdbestimmung in einem getakteten Tagesablauf. Außerdem empfand sie es als Herausforderung, in eine psychosomatische Klinik zu gehen, da bei ihr auch eine körperliche Erkrankung vorlag.

Manche Interviewte hatten wenig konkrete Erwartungen, sondern versuchten positiv gestimmt und offen an den Aufenthalt heranzugehen. Einige berichten von Vorfreude, insbesondere verbunden mit der Vorstellung, endlich etwas aktiv gegen die Erkrankung tun zu können. Aber auch bei positiver Grundstimmung war es manchmal schwer, wenn es dann wirklich losgehen sollte.

Claudia Frohwein hätte die Reha im letzten Moment fast abgesagt.

Die Interviewten mit wiederholten Reha-Erfahrungen hatten teilweise im Vorfeld größere Erwartungen. Gleichzeitig fanden sie es entlastend, sich schon ein bisschen auszukennen und zu wissen, was auf sie zukam. Andere versuchten sich aufgrund ihrer Vorerfahrungen gegen zu erwartende Schwierigkeiten zu wappnen und planten z.B. ihre Reha in der Nähe von Freunden, die sie während des Aufenthalts unterstützen konnten.

Im Vorfeld der Reha schöpften unsere Interviewten aber auch Hoffnung und setzten sich mit ihren Wünschen und Zielen für die Reha auseinander: Einige hofften auf eine „Heilung“ durch die Reha, beispielsweise anschließend schmerzfrei zu sein oder beruflich wieder „durchstarten“ zu können. Viele hofften auf gesundheitliche Verbesserungen, sie wollten beispielsweise ihren Allgemeinzustand stabilisieren; manche planten in der Reha abzunehmen, andere wollten Gewicht zunehmen. Andere wollten Neues über ihre Erkrankung erfahren. Manche freuten sich auch auf die Mitpatienten und hatten die Hoffnung, „Gleichgesinnte“ zu treffen. Für einige war die Vorstellung wichtig, für eine Weile Ruhe und Abstand vom Alltag zu haben und das „Kopfkino“ loszuwerden, vor allem quälende Sorgen und Zukunftsängste.

Manche der Interviewten raten dazu, sich im Vorfeld zu überlegen, was man in der Reha machen und erreichen möchte, und sich selbst zu motivieren. Einige berichten, bewusst an der eigenen Einstellung gearbeitet zu haben. So sagte beispielsweise Norbert Merkle zu sich selbst: „Wenn es eh sein muss, dann sehe ich es positiv“, auch wenn er die Reha mit gemischten Gefühlen antrat.

Josef Vögtle hat sich bewusst vorgenommen, nicht zu meckern.

Brigitte Lenz hat sich vorher überlegt, wie sie die Reha angehen will, und für sich gesorgt.

Marianne Seiler rät dazu, eine positive Einstellung mitzunehmen und sich zu überlegen, was man von der Reha will.

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