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Patrick Knittel bemängelt, dass der betreuende Psychologe sehr wenig Zeit hatte.

Nach diesem Gespräch mit dem Psychologen, mit meinem Hausarzt, sind wir dann zu dem Entschluss gekommen, dass ich mich freiwillig in eine Klinik begebe und mich da untersuchen, beziehungsweise behandeln lasse. Nachdem ich in der Klinik aufgenommen worden bin, drei Wochen, ich konnte mich- Weil ich an und für sich ein Typ bin, der nicht gerne ins Krankenhaus oder zu Ärzten generell geht. Weil ich hab' da eine gewisse Scheu vor, obwohl sie mir nie was getan haben. Ich kann nichts Negatives sagen, aber es ist nun mal so, ich bin kein großer Arztläufer oder Krankenhausbesucher. Habe ich mich mehr oder weniger nach drei Wochen da rausschwindeln können, weil der leitende Arzt gerade im Urlaub war und ich konnte denen das erzählen, was sie hören wollten, sag ich mal so. Wobei ich jetzt im Nachhinein sagen muss, die Zeit war zu wenig gewesen. Was ich auch sehr bedauert habe, im Krankenhaus generell, so wie auch speziell in der Psychiatrie, finde ich es als Nachteil, dass die Ärzte beziehungsweise die Psychologen, die mich da betreut haben - behandelt möchte ich ja nicht sagen - aber betreut haben, sehr wenig Zeit haben. Sie stehen unter einem sehr hohen Zeitdruck, weil sie haben eine Menge Patienten, weil doch viel mehr Erkrankte sind als man doch angenommen hatte, was auch die letzten Jahre in der Presse zu lesen war.

Die psychische Erkrankung nimmt immer mehr zu, früher hat man das abgetan: "Na ja, du bist ein Weichei." Aber heute forscht man da ein bisschen mehr drüber nach und ist zu dem Entschluss eben gekommen. Was ich ein bisschen bedauere ist, dass man nicht genug Zeit hat. Ich hatte in den drei Wochen zwei Mal ein Gespräch mit einer Psychologin, die aber gleich in die Tür reinkam und sagte: „Ich hab' keine Zeit, heute müssen wir ein bisschen kürzer machen.“ Das war das Gespräch, wo ich eingeliefert oder beziehungsweise dahin gekommen bin und praktisch das Entlassungsgespräch und das reicht, meiner Meinung nach, bei weitem nicht aus.

Was mir geholfen hat, und was ich auch als positive Erfahrung mitgenommen habe, ist der Umgang mit den Patienten selbst, die mit mir in dieser Klinik waren. Dass man sich mit diesen Patienten mehr unterhält wie mit den Ärzten oder den Psychiatern. Und dies nützt einem persönlich mehr wie die Gespräche mit den Ärzten. Ich weiß nicht, ob es vielleicht sogar so gewollt ist, dass die Patienten sich untereinander unterhalten, ihre Lebensgeschichte erzählen, ihre Probleme erzählen. Es waren unter Anderem suizidgefährdete dabei, es waren welche dabei, die einen Suizidversuch hinter sich hatten, alle Sparten. Und die sich dann- die jetzt länger da waren als ich- mir offenbart haben. Und so, dass ich auch Vertrauen fasste, und auch über meine Lage mit denen gesprochen hatte, was mir sehr viel gegeben hat. Einmal als Erleichterung, denn im Leben immer die Frau damit belästigen, die Kinder, die Erwachsenen damit belästigen, möchte wohl keiner. Und das ist, so sehe ich das zumindest, eine große Gefahr: Man frisst es immer in sich rein.

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