Sie sind hier: Startseite / Erfahrungsbereiche / Darmkrebs / Personen / Klaus Wippich / Klaus Wippich wollte sich von den Kollegen nicht in die Krankenrolle drängen lassen.

Klaus Wippich wollte sich von den Kollegen nicht in die Krankenrolle drängen lassen.

Ja, das war natürlich am Anfang wegen diesem Stoma so eine Geschichte. <br />Erzählt man das den Leuten, mit denen man zusammenarbeitet, oder lässt man das. Das war dann über Jahre weg einfach auch immer wieder habe ich alle Varianten ausprobiert. Die Variante überhaupt niemandem was sagen, mein engstes Umfeld im Büro, Sekretärinnen und so weiter, die wussten das. Manchmal wusste ich es nicht, ob die Leute es wissen. Was die meisten wussten, mit denen ich zu tun habe, war eben das mit dem Krebs. Da hat man heftig Anteil genommen. <br />Und weil es mir mit der Zeit auch wieder besser ging, auch körperlich. Da haben die das auch gesehen und haben sich da mit gefreut in der Regel. Das Spannende ist bei solchen Sachen, dass, wenn es Konflikte gibt, dass die Leute dann Schwierigkeiten kriegen. Auf der einen Seite, dass, weil sie einen ja als einen kranken Menschen ansehen, auf den man eigentlich Rücksicht nehmen sollte. So, und jetzt entpuppt sich der kranke Mensch als jemand, der aber wieder kämpferisch wird und mitmischt bei Auseinandersetzungen. Und da können die meisten überhaupt nicht mit umgehen. Das war eine ganz schwierige Phase mit dem engeren Umfeld. <br />Also auf der einen Seite war ich dankbar, dass die in der Anfangszeit Rücksicht genommen haben. Auf der anderen Seite war das jetzt dann schwierig, dass ich gemerkt habe, ich soll eine bestimmte Rolle spielen. Also ich soll die Rolle des Kranken spielen, des Schwachen, der sich halt dann zurückhält und so weiter. Und das wollte ich halt nicht. Also, was heißt wollte ich nicht- ich bin vom Typ her kann ich das gar nicht. Ich springe an, wenn bestimmte Themen sind, bestimmte Situationen sind, springe ich an. <br /><br />Wenn zum Beispiel eine Planungssituation da ist, wo es heißt: „Wer geht da hin?“, beruflich. So, und jetzt merkst du ganz genau, du bist gar nicht eingeplant, dahin zu fahren. Jetzt lassen wir es mal weg, um was es da ging. So, und jetzt gehe ich heim und spiele die Sache nochmal durch und merke, verflixt nochmal, das ist eigentlich, das war jetzt genau die Situation. Was ist denn da jetzt passiert? So, und beim nächsten Mal habe ich mich gemeldet und habe gesagt: „Ich fahre da mit.“ Und dann habe ich das Erstaunen gemerkt. <br />Das ist ja dann nicht nur harmlos im Blick auf das, was sich atmosphärisch verändert, sondern da geht es ja dann je nachdem auch um Stellenwert von bestimmter Arbeit, die man dann zugewiesen bekommt. Und ich nehme ja je nachdem jemand was weg. So, ist jetzt klar, jetzt meldet sich plötzlich dieser schwache Mensch. Der kommt da plötzlich und sagt: „Ja, nee, nee, jetzt will ich da wieder dabei sein." Und das sind Sachen, wo, wenn man die, wenn man das so macht, kostet es viel Kraft.

Artikelaktionen