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Sylvia Herrmann sieht sich als aufgeklärte Patientin und findet es wichtig, selbst Verantwortung zu übernehmen.

Man kommt, wenn man vor so einer einschneidenden Geschichte steht, man kommt auf die verrücktesten Sachen im Grunde genommen. Ich habe zum Beispiel da im Vorgespräch der OP, dann hat die Ärztin mir noch erklärt, wie das dann ablaufen wird. Und da habe ich gesagt: „Wie müssen Sie den Darm rausschneiden?“ Hat sie mir auch erklärt. Dann habe ich sie gefragt, wie viel so ein Dickdarm wiegt. Ich meine, wie groß ist die Chance, dass man überhaupt einmal wieder so viel Gewicht auf einmal los wird. Ich weiß nicht, ich wollte wissen, wie viel Gewebe da herausgeholt wird. Wusste sie nicht genau, sie hat sich nachher noch einmal schlau gemacht. Sie tauchte irgendwie eine Stunde später wieder bei mir auf, sie hatte das wohl noch einmal nachgeschlagen, wie viel Prozent das dann ist. Also das fand ich richtig super. <br />Und auch in der Onkologie, ich bin eigentlich sehr gut darüber aufgeklärt worden, wie die Chemotherapie abläuft, was die Chemotherapie im Körper anrichtet, anrichten kann, anrichten soll, wie es wirkt, um zum Beispiel auch, ja, Nebenwirkungen dann einschätzen zu können. Die haben also tatsächlich einen sehr aufgeklärten Patienten aus mir gemacht, was ich auch ganz gut fand.<br />Die Ärzte, die sehen nur das, was sie sehen können. Und im Prinzip wissen sie nur das, was wir als Patienten ihnen erzählen. Und das, denke ich mal, das ist auch eine gewisse Verantwortung, die man da als Patient übernehmen muss. Dass man ganz einfach in sich hinein horcht und sagt: Okay, ich kenne meinen Körper am besten. Und ich weiß, das ist jetzt gerade anders. Das ist sonst nicht so gewesen. <br />Denn die auf der Onkologie, das sind im Grunde genommen Handwerker. Die haben eine riesengroße Werkzeugkiste. Und genauso wie der Klempner hier neulich bei uns, wenn der merkt, dass er mit der großen Zange nicht an diese Schraube ran kommt, dann wühlt der mal eben in seiner Kiste und nimmt eine etwas kleinere Zange. Oder vielleicht eine etwas anders geformte Zange. <br />Und ich denke mal, das Wichtige wahrscheinlich auch an dieser ganzen Behandlungsgeschichte ist, dass man als Patient auch mitmacht. Klar man hat die Möglichkeit, man geht dahin, man legt sich ins Bett und lässt erst einmal mit sich machen. Aber man muss auch so ein bisschen, denke ich mal, mitmachen. Umso mehr, je mehr die Ärzte über mich wissen, desto mehr können die vielleicht auch mir helfen und desto individueller können sie mir auch helfen.

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