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Monika Schulz hatte früher Angst vor vielen Tätigkeiten, hat aber jetzt in ihrer Wohngemeinschaft viel dazu gelernt.

In meiner Kindheit mit neun, zehn Jahren oder so, da war ich zwar anfallsfrei, aber ich wurde in der Schule immer gehänselt wegen meiner Anfälle. Mir fehlt es im Kopf und ich bin blöd und ich kann nichts und so weiter. Und ich weiß nicht wie oft ich den Satz gehört habe, dass ich nichts kann. Das hat sich bei mir so verinnerlicht, ja, dass ich mir selbst gesagt habe: ich kann nichts.
 
Und vor lauter Angst davor, dass ich nichts kann, habe ich manche Sachen auch gar nicht angefangen. Ich habe zum Beispiel nicht angefangen Kochen zu lernen. Weil ich Angst hatte. Ich hatte schon Angst, wenn ich ein Spiegelei brate, dass mir das verbrennt. Verstehen Sie? Es ist eigentlich, ich sage mal, was ganz Simples, ein Spiegelei zu braten und- aber ich hatte Angst, das kann ich nicht. Denn ich bin dumm, ich bin ja blöd. Und das war auch hier noch lange Zeit mein Spruch: ich bin blöd. Bis ich mir das abgewöhnt habe, langsam, und es ist noch nicht ganz draußen, muss ich sagen. Aber langsam aber sicher geht es raus, dieser Spruch.
 
Der baut sich erst langsam ab. Ich hatte Angst davor zu stricken, ich hatte Angst vorm Kochen und ich hatte Angst vor Menschen und vor allem Möglichen. Überhaupt irgendwas Fremdes anzufangen. Naja, ich bin ja blöd. Und-
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Dieses- das hat mich zum Beispiel in meiner Ehe begleitet mit. Weil mit 40 konnte ich immer noch nicht kochen. Ja, weil ich eben Angst hatte davor irgendwas anzufassen. Und dann habe ich gedacht, mich lachen bestimmt alle aus, weil ich immer noch nicht kochen kann. Mensch, du bist ja blöd. Da kam das schon wieder, dieser Spruch. Jeder wird zu mir sagen: Du bist doch blöd, mit 40 kann man kochen.
 
Was sind denn die Vorteile hier in der Wohngemeinschaft?
 
Ich bin zum Beispiel, nicht ganz alleine. Das kann ein Vorteil sein, das kann aber auch ein Nachteil sein. Das heißt, Sie haben manchmal Ihre Ruhe, aber auch immer jemanden um sich rum, ja? Also, beides, Vor- und Nachteil. Aber ein Vorteil, Sie haben immer jemanden mit dem Sie- der da ist. Dann, es sind Leute da, mit denen können Sie reden und die bauen Sie auch zum Teil auf, manche. Ich habe zum Beispiel Sachen gelernt hier, da hätte ich gar nicht gewusst, wo ich die draußen lernen soll.
 
Zum Beispiel?
 
Zum Beispiel mit dem Computer umgehen, richtig. Damals wusste ich noch nicht mal, was ein Computer ist. Das habe ich erst kennengelernt, hier. Und Internet und das ganze Zeug. Und wie man damit umgeht. Wir haben hier jetzt ein Netzwerk und so. Das haben wir aber, wie gesagt, erst aufgebaut und das musste ich erst lernen, das konnte ich noch nicht. Genauso wie ich Ihnen gesagt habe, kochen kann ich nicht.


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