Die Erfahrungen von Gisela Haase
Zum Zeitpunkt des Interviews ist Gisela Haase 78 Jahre alt. Sie ist ledig, berentet und wohnt alleine. 2017 wurde bei Gisela Haase ein malignes Melanom im Rahmen einer Kontrolluntersuchung diagnostiziert. Die Untersuchungen hat Gisela Haase regelmäßig in Anspruch genommen, da bei ihr vor vielen Jahren bereits ein Basaliom festgestellt wurde, das ohne Komplikationen und Folgen entfernt werden konnte. Nach einer randständigen Entfernung des Melanoms spielen beide Hautkrebserkrankungen im Alltag von Gisela Haase heute kaum eine Rolle. Sie nimmt aktuell im Abstand von einem halben Jahr regelmäßig das Hautkrebsscreening in Anspruch, um Veränderungen frühzeitig erkennen und therapieren zu können. Im Verlauf der Jahre wurde bei den Untersuchungen auch eine aktinische Keratose festgestellt, die aber durch eine Salbe gut behandelt werden kann. Gisela Haase lässt sich von ihren Erkrankungen nicht einschüchtern und genießt die kleinen Dinge im Leben heute besonders.
Gisela Haase ging, wegen eines früheren Basaliombefunds, seit vielen Jahren einmal im Jahr zum Hautarzt zum Hautkrebsscreening. Bei einer Untersuchung fiel dem Arzt eine Stelle an der Schulter auf, die verdächtig aussah. Er empfahl, diese unter Kontrolle zu halten. Als der Hautarzt die Stelle im nächsten Screening 2017 wieder begutachtete, rat er Gisela Haase zur Biopsie und randständigen Entfernung. Gisela Haase stimmte zu und kurz darauf bekam sie die Diagnose eines malignen Melanoms. Durch ihre jahrelangen beruflichen Erfahrungen als Krankenschwester hatte Gisela Haase ein umfassendes Vorwissen und ihr war die Relevanz bewusst, das Melanom randständig zu entfernen, um das Risiko für Rezidive zu senken. Seit dieser Exzision nimmt Gisela Haase halbjährig das dermatologische Screening in Anspruch, bei dem bisher, abgesehen von einer aktinischen Keratose, keine weiteren Tumore festgestellt wurden. Die aktinische Keratose ist durch Salben gut versorgt und bereitet Gisela Haase im Alltag keine Einschränkungen.
Die Unsicherheit kurz nach der Diagnose des malignen Melanoms belastete Gisela Haase, da nicht klar war, inwieweit das Melanom vollständig entfernt werden konnte. Sobald dies jedoch der Fall war, konnte Gisela Haase ihre Bedenken ablegen. Sie sagt, dass sie ein pragmatischer Mensch ist und die Umstände entsprechend hinnahm. Insbesondere vorangehende risikobehaftete Operationen im Leben von Gisela Haase haben dazu beigetragen, dass sie gelernt hat, mit gesundheitlichen Einschnitten im Leben umzugehen. Sie räumt diesen einen angemessenen, aber nicht allzu hohen lebensbestimmenden Wert ein. So war auch die Narbe nach Entfernung des Melanoms für Gisela Haase nicht störend oder einschränkend. Gisela Haase hatte nicht das Bedürfnis nach Unterstützung im Rahmen von Reha-Aufenthalten oder einer Selbsthilfegruppe. Sie sagt, dass sie vieles mit sich selbst ausgemacht hat und betont zugleich die Bedeutsamkeit von Selbsthilfe bei Austauschbedarf und auch im Falle von langen und schwerwiegenden Verläufen. Ihr hat der Austausch mit Freundinnen sehr geholfen, auch über das Thema Tod und Sterben.
Schon vor der Hautkrebsdiagnose achtete Gisela Haase auf einen gesunden und ausgewogenen Lebensstil. Sie sparte trotz Schichtdienst und viel Arbeit nie an der Vorbereitung von gesundem Essen oder ausreichender Bewegung. Gisela Haase lebt alleine und musste bis zum Alter von 65 Jahre arbeiten, da sie auf eine volle Rente angewiesen war. Egal, welche Herausforderungen im Leben Gisela Haase erlebte, sie fand durch Yoga, eine bewusste Wahrnehmung ihres Körpers und in der Idee des Minimalismus immer einen Weg, ihren Alltag zu meistern.
Gisela Haase erinnerte sich, dass sie in ihrer Jugend häufig ungeschützt in der Sonne war und sagt, dass sie dies auch als eine Ursache für die Entwicklung eines malignen Melanoms vermutete. Umso mehr ist es im Alltag für sie erschreckend, dass das Bewusstsein der Menschen für eine gesunde Haut noch nicht so ausgeprägt ist, wie es sein sollte. Seit ihrer Diagnose schützt sich Gisela Haase umfassend vor der Sonne und rät auch anderen dazu. Gisela Haase beschäftigte der Gedanke an möglichen Metastasen lange. Sie sagt, dass sie mittlerweile in ihrem Alter von 78 Jahren jedoch eine Dankbarkeit für ihr Leben empfindet und bei Rezidiven keine intensiven Therapien mehr wünscht.
Das Interview wurde im Februar 2025 geführt.
