Die Erfahrungen von Jennifer Zimmer
Jennifer Zimmer ist zum Zeitpunkt des Interviews 41 Jahre alt. Sie erhält Erwerbsminderungsrente und lebt gemeinsam mit ihrer Familie auf einem Hof, auf dem nebenan auch ihre Mutter wohnt. 2017 wurde Jennifer Zimmer kurz nach Entbindung ihres Sohnes ein malignes Melanom entfernt. Der Tumor war in Stadium I, es erfolgte ein Nachschnitt und drei Wächterlymphknoten wurden entfernt. Diese waren nicht befallen, sodass Jennifer Zimmer keine weitere Behandlung erhielt und regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen ging. 2023 wurden drei Metastasen-Herde entdeckt. Es folgte eine Immuntherapie, welche starke Nebenwirkungen hervorrief. U. a. wurde eine Hypophyseninsuffizienz festgestellt. Da sich dieser Prozess sehr hinzog, dauerte es, bis Jennifer Zimmer die entsprechende Behandlung erhielt und sich die Nebenwirkungen reduzierten. Zum Zeitpunkt des Interviews hat Jennifer Zimmer noch Lebermetastasen. In kleinen Schritten versucht sie, sich körperlich wieder zu stärken. Kleine Spaziergänge mit ihren Hunden helfen ihr dabei. Zudem gibt ihr starker Wille Jennifer Zimmer Kraft sowie schenken ihr neuer Partner, ihre Kinder, Freundinnen und ihre Mutter ihr Rückhalt und Lebensfreude.
Schon als Kind hatte Jennifer Zimmer viele Leberflecken. Aufgrund dessen nahm sie bereits seit dem Jugendalter regelmäßig ein Hautkrebsscreening in Anspruch. Als Jennifer Zimmer 2017 mit ihrem Sohn schwanger war, fiel ihr am Ellbogen ein veränderter Leberfleck auf, der zudem zu bluten begann. Nach der Entbindung suchte sie daher ihre Hautärztin auf, die den Fleck umgehend entfernte. Es wurde ein malignes Melanom in Stadium I festgestellt und die Hautärztin überwies Jennifer Zimmer in die Uniklinik. Es erfolgte ein Nachschnitt mit Sicherheitsabstand und drei Wächterlymphknoten wurden entfernt. Die Befunde waren unauffällig, sodass Jennifer ohne weitere Behandlungen entlassen wurde. Sie nahm regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen in Anspruch, bis sie sechs Jahre später im Oktober 2023 starke Bauchschmerzen bekam. Durch Schmerzmittel konnte sie diese nicht lindern. Jennifer Zimmer arbeitete in der Krankenhauspflege und nutzte daher ihren Dienst, um sich in der Notaufnahme vorzustellen. Beim Ultraschall waren kreisrunde Stellen an der Leber sichtbar. Der behandelnde Unfallchirurg vermutete wie auch Jennifer Zimmer selbst eine Gallenkolik und empfahl ihr, übers Wochenende stationär zu bleiben, um montags die Spezialist*innen untersuchen zu lassen.
Jennifer Zimmer hatte in der Notaufnahme nicht direkt an das Melanom vor sechs Jahren gedacht, erzählte montags aber der internistischen Oberärztin davon, welche direkt CT und MRT veranlasste. Die Befunde ergaben, dass Jennifer Zimmer Metastasen in Leber, Gehirn, Lunge und Milz hatte. Sie wurde in die Uniklinik überwiesen, wohin sie ihre Kolleg*innen persönlich fuhren. In der Klinik wurde über die weitere Behandlung beraten und Jennifer Zimmer startete Anfang November 2023 eine Immuntherapie mit Nivolumab und Ipilumab. Ca. zwei Wochen später bekam sie einen hartnäckigen Hautausschlag am ganzen Körper, ansonsten ging es ihr bis zur zweiten Gabe der Immuntherapie Ende November gut. Danach, Mitte Dezember, bekam Jennifer Zimmer jedoch hohes Fieber und suchte die Notaufnahme der Uniklinik auf. Sie hatte sich zuvor aufgrund ihrer schlechten Venen bereits einen Port legen lassen. Die Blutabnahme gelang den Ärzt*innen sowohl intravenös als auch über den Port nicht. Zahlreiche Versuche bereiteten Jennifer Zimmer Schmerzen und hinterließen belastende Erinnerungen. Nachdem endlich ein Versuch gelungen und das Laborergebnis da war, wurde Jennifer Zimmer mit einem Infekt nach Hause geschickt. Die nächste Gabe der Immuntherapie wurde zunächst ausgesetzt.
Der Zustand von Jennifer Zimmer wurde nicht besser, sodass sie sich in ihrem Heimatkrankenhaus vorstellte. Sie wurde dort aufgenommen und bekam fiebersenkende Mittel. Da sich auch der Hautausschlag verschlimmerte, wurde Jennifer Zimmer erneut in die Uniklinik verlegt. Von der Oberärztin in der Dermatologie fühlte sie sich viel ernster genommen. Dennoch ging es Jennifer Zimmer sehr schlecht und es brauchte hohe Mengen an Kortison, um das Fieber zu senken. Zu Weihnachten ging es ihr etwas besser, sodass sie nach Hause entlassen wurde und zwischen den Feiertagen Ende 2023 die dritte Immuntherapie-Gabe erhielt. Im neuen Jahr hatte sie erneut Fieberschübe, die immer wieder hochdosiert mit Kortison behandelt werden mussten. Hinzu kamen starke Durchfälle, durch die Jennifer Zimmer noch schwächer wurde. Neben den Vitamin-C-Infusionen zur Stärkung des Immunsystems bekam Jennifer Zimmer daher auch Elektrolyte über die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV), die bereits von Beginn an hinzugeschaltet war. Die Darm-Beschwerden blieben nicht aus. Sie stellte sich mehrfach wieder in der Uniklinik und im Heimatkrankenhaus vor, bis eine Darmspiegelung gemacht wurde. Die festgestellte Entzündung wurde erneut durch Kortison behandelt. Jennifer Zimmer hatte in der Zeit zudem eine Faszialparese sowie wurde nach zahlreichen weiteren Untersuchungen eine Hypophyseninsuffizienz diagnostiziert.
Die Endokrinologie wurde hinzugezogen und Jennifer Zimmer sagt zum Zeitpunkt des Interviews, dass es ihr mit ihrer medikamentösen Einstellung hinsichtlich des Hydrokortisons gut geht. Eine Notfallspritze gibt ihr zudem Sicherheit im Alltag. In ihrer gesamten Krankheitsgeschichte hat Jennifer Zimmer diverse Einschnitte auf körperlicher, aber auch auf kognitiver und sozialer Ebene erlebt. Einige Menschen in ihrem sozialen Umfeld brachten ihr wenig Verständnis entgegen und nahmen ihrem Hautkrebs weniger ernst, als andere Krebserkrankungen, weil sie z. B. keine Haare verloren hatte. Doch auch die Immuntherapie ging für sie mit drastischen Folgen einher, wenn Jennifer Zimmer auch dankbar ist, dass es diese Behandlungsmöglichkeit gibt. Sie sagt, dass sie vermutlich nicht mehr leben würde, wenn sie die Diagnose zehn Jahre früher gehabt hätte. Zum Zeitpunkt des Interviews bestehen noch Lebermetastasen. In den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen wurde bisher kein Wachstum dieser Tumorzellen nachgewiesen und Jennifer Zimmer hofft, dass sie diesen Gesundheitszustand zumindest in Zukunft beibehalten kann.
Jennifer Zimmer hat in ihrer Krankheitsgeschichte lange Vieles mit sich selbst ausgemacht. Sie wollte ihren Kindern keine Angst machen und ihr Ehemann hat sie wenig unterstützt. Es kam zur Trennung und zu einer neuen Beziehung, in der ihr Partner umso mehr Rückhalt gibt. Psychologische Unterstützung im Krankenhaus, aber auch die Selbsthilfe haben die Krankheitsbewältigung für Jennifer Zimmer erleichtert. Nicht zuletzt tragen ihre Kinder, enge Freundinnen und ihre Mutter, die ihr im Alltag eine große Hilfe ist, zu Jennifer Zimmers Lebensqualität bei. Sie sagt, dass ihr starker Wille ihr Kraft gegeben hat und sie durch die Erkrankung sehr viel mehr die wichtigen Dinge im Leben wertschätzt. Jennifer Zimmer appelliert schließlich an Ärzt*innen, wie wichtig es ist, sich interdisziplinär auszutauschen.
Das Interview wurde im September 2025 geführt.
Alle Interviewausschnitte von Jennifer Zimmer
Die Mutter von Jennifer Zimmer weiß, was sie beerdigt werden möchte.
Jennifer Zimmer entwickelte ein stärkeres Durchsetzungsvermögen gegenüber dem Fachpersonal.
Jennifer Zimmer hat verschiedene Reaktionen in ihrem Umfeld erlebt.
Jennifer Zimmer las Bücher von anderen Betroffenen.
Jennifer Zimmers Mann hat sie durch seine Bemerkungen sehr verletzt.
Jennifer Zimmer tat es gut, dass sie im Krankenhaus immer eine Psychologin an der Seite hatte.
Jennifer Zimmer nahm sich Zeit beim Lesen.
Jennifer Zimmer hat bestehende Metastasen in der Leber, die sich jedoch nicht vergrößern.
Jennifer Zimmer erhielt Pflegegrad 2 mit Hilfe der ambulanten spezialisierten Palliativversorgung.
Jennifer Zimmer hat gelernt, das Leben zu schätzen.
Jennifer Zimmer hat schrittweise durch kleine Bewegungseinheiten wieder an Kraft gewonnen.
