Die Erfahrungen von Jutta Döring

Portrait Jutta Döring ist zum Zeitpunkt des Interviews 77 Jahre alt und berentet. Sie ist verwitwet und lebt alleine, ihre beiden Töchter und ihre Enkelin wohnen in Einliegerwohnungen nebenan. 2024 suchte Jutta Döring aufgrund einer Warze unter ihrem Fuß ihren Hausarzt auf. Sie wurde mit einem Warzenmittel entlassen, das nicht half. Beim zweiten Arztbesuch wurde sie chirurgisch weiterverwiesen, um die Stelle zu entfernen und die Probe zu untersuchen. Es wurde ein malignes Melanom im Stadium IIb festgestellt. Es folgten zwei Nachschnitte und eine gezielte Immuntherapie, die aufgrund der Nebenwirkungen abgebrochen wurde. Zum Zeitpunkt des Interviews befindet sich die Haut am Fuß von Jutta Döring noch im Heilungsprozess. Sie kann das meiste im Alltag wieder alleine machen, insbesondere das Autofahren gibt ihr ein Gefühl von Freiheit. Ihre eine Tochter hat sie in der Zeit nach den Operationen gepflegt, zudem schenkt die Zeit mit ihren Töchtern, ihrer Enkelin und ihrer Nachbarin Jutta Döring im Alltag viel Freude. Auch der Austausch in der Selbsthilfe gibt ihr Kraft.

Jutta Döring hatte eine auffällige Stelle unter ihrem Fuß, die einer Warze ähnelte und immer größer wurde. Sie suchte ihre hausärztliche Praxis auf und bekam ein Warzenmittel. Da dieses nicht half, ging sie erneut zum Arzt, aber dieser wusste nicht, was es sein konnte und überwies Jutta Döring zur Entfernung der Hautregion an einen Chirurgen. Es dauerte eine Weile, bis Jutta Döring das Ergebnis bekam, welches die Diagnose eines malignen Melanoms war. Es folgten zwei weitere Operationen, um den Tumor mit genug Sicherheitsabstand zu entfernen und das entstandene Loch in der betroffenen Region mit der Haut vom anderen Fuß wiederaufzubauen. Jutta Döring war für die Eingriffe drei Wochen im Krankenhaus, durfte nicht aufstehen und musste ihren Fuß schonen. Sie bekam Schmerzmittel, durch die die Schmerzen erträglich waren. Die Physiotherapie, die sie im Bett machte, war sehr anstrengend für sie, aber Jutta Döring wollte schnell wieder selbstständiger und mobiler sein.

Nach Entlassung wurde ihr Fuß zuhause regelmäßig von einer Pflegefachkraft verbunden sowie bekam Jutta Döring im Kontext des Pflegegrads 2 auch eine Haushaltshilfe. Zudem haben ihre Töchter und ihre Enkelin, die direkt nebenan wohnen, sie umfassend unterstützt und zu allen Untersuchungen und Terminen begleitet. Als adjuvante Therapie wurde Jutta Döring eine moderne Immuntherapie empfohlen, die sie im Oktober 2024 startete. Sie bekam schwere Nebenwirkungen wie Juckreiz am ganzen Körper, Bluthochdruck und Wassereinlagerungen. Ihr Kardiologe riet ihr daher zum Abbruch der Therapie, sodass sie diese im März 2025 beendete. Seitdem geht Jutta Döring regelmäßig zur Kontrolle. Zum Zeitpunkt des Interviews steht der nächste Termin kurz bevor, sodass Jutta Döring abwartet, was ihr Hautarzt empfiehlt. Sie ist insgesamt sehr glücklich mit der Betreuung durch das Fachpersonal und hat sich gut versorgt gefühlt. Auch das Wissen aus und der Austausch in der Selbsthilfegruppe haben Jutta Döring im Laufe ihrer Krankheitsgeschichte unterstützt.

Jutta Döring sagt, dass sie viele Jahre im Alltag funktioniert hat. Sie hat fast 30 Jahre ihren kranken Mann gepflegt und vermutet, dass die gesundheitlichen Beschwerden nach seinem Tod damit zu tun haben, dass sie in ein Loch gefallen ist und seinen Tod bisher nicht verarbeitet hat. Sie weiß, dass es sowohl körperlich als auch emotional Zeit braucht und setzt bzgl. der Verbesserung ihres Befindens große Hoffnung in ihren bevorstehenden Rehabilitationsaufenthalt. Auch, wenn Jutta Döring das Altern bewusst ist, genießt sie all das, was ihr aktuell möglich ist. Sie macht gerne Ausflüge und Reisen mit ihrer Nachbarin und lebt darüber hinaus zurückgezogener und ruhiger. Jutta Döring sagt, dass sie früher viel unter Leuten und sehr aktiv war, aber durch die Krankheiten ihres Mannes und ihre eigene Krebserkrankung gelernt hat, wer und was ihr wichtig ist. Sie ist heute genügsam und zugleich auch toleranter, insbesondere gegenüber ihren Kindern, geworden.

Das Interview wurde im August 2025 geführt.


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