Sie sind hier: Startseite / Erfahrungsbereiche / Medizinische Reha / Personen / Britta Eyfried / Britta Eyfried erzählt, wie ihr Therapeut ihr anhand des Lebens und der Musik von J.S. Bach viel über den Umgang mit Leid und Schicksalsschlägen vermittelte.

Britta Eyfried erzählt, wie ihr Therapeut ihr anhand des Lebens und der Musik von J.S. Bach viel über den Umgang mit Leid und Schicksalsschlägen vermittelte.

Ich habe sehr schnell festgestellt, dass diese Gespräche, die ich drei Mal die Woche mit [Chefarzt], mit dem Chef der Klinik, der [Reha-Klinik], hatte, dass die unglaublich gut getan haben. Das waren wirklich echte Resilienz-Erfahrungen. Er hat mir da auch sehr gut zum Beispiel Johann Sebastian Bach nahe gebracht, für den ich schon immer, den ich schon immer mochte. Als Chorsängerin und als religiös geprägte Frau kommt man ohne Bach, also kommt man sowieso sehr schnell in Berührung mit Bach. Aber ich habe Johann Sebastian Bach nie unter dem Stichwort der Resilienz-Erfahrung gesehen. Und es gibt ein Buch von der Frau Reddemann, das ich dann auch gleich empfohlen bekommen habe, das hat mir der [Chefarzt] damals ausgeliehen, mitgegeben, auch wieder zurück nach [Ort]. Was ich nur jedem empfehlen kann, der auch mit den dunklen Seiten von bestimmten Erkrankungen zu tun hat. Das ist ein ganz tolles Buch, wo über das Leben von Johann Sebastian Bach berichtet wird mit bestimmten Musik... da ist eine Musik-CD, die ist in dem Buch dabei. Und die Luise Reddemann schreibt einfach über das Leben von Bach. Bach hatte auch ein sehr schweres Leben. Denn eine Ehefrau ist gestorben, Kinder sind gestorben. Und wie er mit der Art von Musik, also der hat Musik geschrieben auch immer wieder auf dem Boden der schlimmen Erfahrungen, die er im Leben gemacht hat. Und also wieviel wohltuende, wieviel... ja, wie soll man sagen? Wieviel Seelenbalsam eigentlich diese Art von Musik einfach hat, das hat mir damals der [Chefarzt] nahe gebracht.
Der hat mir dieses Buch gegeben, wir haben sehr oft darüber gesprochen. Er hat jedes Gespräch mit dem Wort „Alles Gute“ beendet. Wo ich am Anfang dachte: Oh, der wiederholt sich ja. Das ist ja irgendwie ein bisschen langweilig, immer mit „Alles Gute“ und „Bla, Bla“. Das klingt jetzt komisch, aber dieses... diese Empathie, die jedes Gespräch einfach hatte. Das waren immer so drei Mal in der Woche Ein-Stunden-Gespräche, die ich mit ihm hatte. Die jetzt gar nicht unbedingt ein bestimmtes Thema immer zum Gegenstand hatten. Aber wir haben sehr viel über Bach gesprochen, sehr viel über Resilienz. Sehr viel über seelische Gesundung, sehr viel über, ja, wie soll man sagen? Über Wertschätzung, über... ich kann es gar nicht mehr so genau beschreiben. Aber diese Gespräche mit ihm und die Erfahrung mit Bach, auf dieser anderen Ebene eben, die haben unheimlich viel bewirkt.
Und das konnte ich auch gut mitnehmen in den Alltag, denn ich bin als Chorsängerin sowieso oder als kulturell interessierte Frau gerade auch an dieser Form von Musik, ich habe immer gerne Bach, die Matthäus-Passion oder das Weihnachtsoratorium oder bestimmte Kantaten, habe ich schon immer gerne gehört. Aber ich habe die auf einmal mit einem ganz anderen Fokus gehört. Das habe ich früher nicht, sodass ich auch bis heute eigentlich auch Bach einlege, nicht nur weil ich kirchenmusikalisch interessiert bin, sondern wirklich auch aus diesem Gedanken heraus: Das tut deiner Seel wohl. Und das würde ich auch gerne als Reha-Erfahrung weitergeben, dass Johann Sebastian Bach und seine Musik was unglaublich Tröstendes hat. Und das habe ich in der Reha-Maßnahme im [Ort] eben erlebt. Auf jeden Fall. Kann man so sagen. Und das habe ich mitgenommen, ja.

Rehas bei multipler Sklerose und Depression

Artikelaktionen