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Sarah Schneider versuchte im Studium, ihre Absencen zu überspielen, was sehr anstrengend für sie war

Und ich habe halt zunächst gedacht, das wäre weg, und habe dann eben im zweiten, dritten Semester während dem Studium gemerkt, dass kleine Anfälle wieder kommen. Allerdings selten so richtig mit Wortpausen, wo ich mich ein paar Sekunden lang gar nicht mehr bewege, sondern eher dass ich das Gefühl hatte, die Gehirntätigkeit fährt auf minimal zurück. Also ich war noch da, meistens zumindest, oder nur ganz, ganz kurz weg, aber ich konnte nicht mehr wirklich- ja, mich nicht mehr wirklich ausdrücken oder nicht mehr wirklich einem Gespräch folgen. Sondern das war danach auch wieder wie so ein kurzes Aufwachen und dann habe ich überlegt, was war jetzt gerade, hat mich jemand was gefragt, oder wird von mir erwartet, dass ich antworte, oder habe ich gerade was erzählt, oder muss ich einfach nur zuhören. Also gerade in einem Gespräch war das sehr schwierig und ich wusste nicht, wie lange ich weg war. Also ob mein Gegenüber das schon gemerkt hat und ob ich es ansprechen soll oder nicht.

Und habe mich ganz oft dafür entschieden, dann so schnell wie möglich einfach zu rekapitulieren, was denn vorher alles abgelaufen ist und habe dann einfach weitergemacht. Das hat mich aber sehr viel Konzentration gekostet. Weil man halt wirklich ständig immer wieder überlegen muss, was war jetzt, schnell, und dann reagieren.

Es ist einfach nervig. Das auf jeden Fall, dass ich auch immer wieder gedacht habe so: Ach, jetzt schon wieder. Und eben man muss dann wieder zittern, dass der gegenüber das nicht merkt und muss sich dann wieder konzentrieren, wo man gerade war und es ist anstrengend und das war- das war nervig.

Bei den Anfällen wo ich wirklich ganz kurz weg war und dann einfach neu sortieren musste wo ich bin und was gerade das Gesprächsthema ist, da war ich so mit beschäftigt, mich danach zu konzentrieren und dann dem Gesprächsverlauf zu folgen, beziehungsweise da dann weiterzureden, dass ich keine wirklichen Gedanken daran verschwendet habe. Nur nach dem Gespräch- also gerade wenn es in einem Gespräch auch mehrmals aufgetaucht ist, dann habe ich auch gedacht so: Oh, eigentlich habe ich gerade gar keine Lust mehr, noch zu reden oder was zu sagen. Weil wenn man ständig in einem Gespräch unterbrochen wird, ist es dann irgendwann so anstrengend, dass man denkt: Ach, ich erzähle es ein anderes Mal oder ich erzähle es gar nicht. Weil ich dann auch denke, es wird ja dem Gegenüber auch zu blöd, wenn ich da alle naselang unterbreche und-. Wobei mir ganz viele bestätigt haben, dass sie es nicht gemerkt haben. Die haben das im Nachhinein ja eben erst erfahren. Und ganz viele von meinen Freunden sagen, sie haben gar nichts mitgekriegt.

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