Durch die Reaktionen im sozialen Umfeld hat Monika Bender Vieles über ihre Mitmenschen gelernt.
Ansonsten hat mich diese ganze Sache, ich bin jetzt schon 62, aber ich glaube, das hat mich noch ein bisschen reifer gemacht im Umgang mit anderen Menschen, weil ich so gemerkt habe, was das auch mit dem Umfeld macht, wenn einer aus dem Bekanntenkreis so eine Diagnose bekommt. Also das fand ich ganz interessant zu beobachten. Von Sprüchen wie: „Ach, Hautkrebs, das ist doch nicht so schlimm.“ Also diesen Spruch werde ich mein Leben nicht vergessen, weil der kam ganz unbedarft. Der Person gegenüber bin ich jetzt auch nur ein kleines bisschen böse, aber sie wusste es nicht anders. Hautkrebs sieht man ja auch nicht. Man ist ja nicht äußerlich, meistens nicht entstellt und es war eine Begegnung, also ich bin ein ganz offener Mensch, ich rede ganz viel drüber. Jeder darf mich ansprechen. Und diese Person, die habe ich dann irgendwann beim Einkaufen getroffen, ein paar Wochen später. Dann sah sie mich da und konnte mir nicht ausweichen. Und dann sagte sie: „Ach du, das tut mir so leid, dass ich dich überhaupt nicht angerufen habe oder nicht mit dir gesprochen habe. Aber ich wusste einfach nicht, was ich sagen soll.“ Und dann habe ich gedacht, genau so ist das. Es ist einfach von der anderen Seite auch dieses Unvermögen, man weiß nicht, wie gehe ich jetzt damit um, den anderen nicht auf die Füße zu treten. Und ja, die war total betroffen. Und ich habe nur gesagt: „Ach komm, das ist doch nicht schlimm, jetzt nehmen wir uns in den Arm und dann kannst du mich alles fragen, was du möchtest.“ Und so habe ich das mit allen gemacht. Also wirklich, ich finde, damit fahre ich am besten, weil auch das Umfeld eine gewisse Lernkurve hat bezüglich dieser Erkrankung. Und ich glaube, es macht das Ganze noch schlimmer, wenn ich mich meinem Umfeld gegenüber verschließe und zurückziehe. Dann stehe ich nämlich letztendlich ganz alleine da. Und dann diese Aussage, alle haben sich zurückgezogen, beruft auch manchmal darauf, dass man selber sich zurückzieht und die anderen nicht einlädt zu kommen. Also ich hatte eigentlich gerade in der Anfangsphase fast immer irgendjemanden hier, mit dem ich sprechen konnte, weil mein Umfeld so offen war und weil ich aber auch gesagt habe: „Du hast du nicht mal Lust auf einen Kaffee?“, weil ich merke einfach, ich muss da ganz viel drüber reden.
