Die Erfahrungen von Stefan Richter

Portrait Stefan Richter ist zum Zeitpunkt des Interviews 65 Jahre alt. Er ist Rentner, verheiratet und lebt gemeinsam mit seiner Frau. Im Alter von 58 Jahren erhielt Stefan Richter die Diagnose eines malignen Melanoms, das zehn Monate nach der Diagnose metastasierte. Trotz gezielter Immuntherapie kamen weitere Metastasen hinzu und er wurde in das Stadium VI eingestuft. Die Immuntherapie wurde dennoch fortgeführt und zeigte Erfolg, sodass Stefan Richter zum Zeitpunkt des Interviews seit vier Jahren keine neuen Metastasen hatte. Die Nebenwirkungen der gezielten Immuntherapie haben ihn zeitweise sehr geschwächt und im alltäglichen Leben eingeschränkt. Durch seinen offenen Umgang konnte Stefan Richter sein Leben mit umfangreicher Unterstützung seiner Frau und seines sozialen Umfeldes an seine Bedürfnisse anpassen. Er reist gerne und findet Erfüllung in seiner ehrenamtlichen Tätigkeit an einer Schule als Lesementor und in der Schach-AG.

Stefan Richter hatte 2018 ein Muttermal am Oberschenkel, dass zu bluten begann und wässrig war. Er suchte daher einen Hautarzt auf, der die Stelle unmittelbar operativ entfernte. Die Probe wurde als malignes Melanom identifiziert. Er erinnert sich, dass ihn seine Frau und seine Schwiegereltern nach dieser Nachricht aufgefangen haben und er sich nie alleine gefühlt hat. Es musste ein Nachschnitt gemacht werden und die Wunde entzündete sich. Stefan Richter, der zu dem Zeitpunkt noch berufstätig war, kommunizierte die Diagnose offen bei der Arbeit, wo er von Kolleg*innen und Vorgesetzten viel Freiheit und Unterstützung erfuhr.

Zehn Monate nach Diagnose wurde bei ihm eine Lymphknoten-Metastase festgestellt, kurz darauf Knochenmetastasen. Stefan Richter kam in das Stadium IV und eine gezielte Immuntherapie startete. Unter dieser bekam er viele schwere Lungenentzündungen und musste Kortison einnehmen. Die Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren wurde trotz Nebenwirkungen fortgeführt. 2020 kam eine Hautmetastase an der Hüfte hinzu und die Erkrankung sowie ihre Folgen belasteten Stefan Richter zunehmend. Er erlebte viele stationäre Aufenthalte aufgrund der Nebenwirkungen, fühlte sich aber im Krankenhaus sehr gut versorgt. 2021 kamen vier weitere Metastasen hinzu, eine zielgerichtete Therapie begann. Infolge dieser hatte Stefan Richter Entzündungsprozesse im Darm und wurde von der Hautklinik in die Chirurgie verlegt. Ihm wurde ein Teil des Darms entfernt und es kam zu einem schmerzhaften Darmdurchbruch. Alles verheilte gut, aber seine Entzündungswerte nahmen unerwartet nicht ab und er hatte schwere Atemprobleme.

Aufgrund dessen kam Stefan Richter in eine Herzklinik, wo er vergleichsweise schlechte Erfahrungen mit der Versorgung machte. Er sollte operiert werden, da er Bypässe und eine neue Herzklappe benötigte. Da Stefan Richter in der vorigen Zeit viel Gewicht verloren hatte und sich im schlechten Gesundheitszustand befand, hatte er Angst vor dieser offenen Operation und traute seinem Körper nicht zu, an einer Herz-Lungen-Maschine zu überleben. Er fühlte sich zudem nicht aufgeklärt und entschied sich gegen die Operation. Wegen neuer Metastasen in der Rippe und im Gehirn musste er erst einmal zurück in die Hautklinik. Diese Metastasen wurden erfolgreich bestrahlt. Bezüglich seines Herzens informierte Stefan Richter sich umfassend und fand eine Klinik, die ihm zusagte und die er kontaktierte. Er bekam durch zwei minimalinvasive Eingriffe Stents und eine künstliche Aortenklappe eingesetzt, woraufhin es ihm viel besserging.

Zum Zeitpunkt des Interviews ist Stefan Richter im fünften Nachsorgejahr, ohne dass neue Metastasen hinzukamen. Im Laufe seiner Erkrankung hat er mit seiner Frau immer wieder über die gemeinsame Zukunft gesprochen und ist dankbar für ihren stetigen Rückhalt. Sie haben gemeinsam ein Haus gekauft und sich damit einen Traum erfüllt. Stefan Richter möchte sein Leben planen und sich auf die schönen Momente konzentrieren, wenn auch das Thema Sterben präsent war und er mit einer bekannten Pfarrerin bereits darüber gesprochen hat, dass sie im Falle seines Todes die Beerdigung macht. Im Umgang mit dem Hautkrebs und seinen Folgen hilft Stefan Richter seine ehrenamtliche Tätigkeit in einer Schule als Lesementor und in der Schach-AG. Stefan Richter sagt, dass er immer einen Schritt nach dem anderen macht. Für die Versorgung wünscht er sich insbesondere niedrigschwellige, nicht-medikamentöse Angebote, die Betroffenen kurzfristig helfen, beispielsweise vor Nachsorgeterminen zur Ruhe zu kommen. In diesem Kontext informiert er sich selbstständig über alternative Verfahren, z. B. im Bereich der Akupunktur und "Klopftechnik".

Das Interview wurde im Juli 2025 geführt.


Alle Interviewausschnitte von Stefan Richter

Stefan Richter durchlief verschiedene Untersuchungen, um das Stadium des Tumors einzustufen.

Stefan Richter hat die Diagnose bei der Arbeit offen kommuniziert und viel Unterstützung erhalten.

Infolge der zielgerichteten Therapie hatte Stefan Richter Entzündungen im Darm.

Stefan Richter beruhigte es, dass er hinsichtlich seiner Beerdigung alles geregelt hatte.

Stefan Richter ist sich sicher, dass man auch aus schwierigen Situationen herauskommen kann.

Stefan Richter hatte wegen der Verdachtsdiagnose auf seiner Krankschreibung schon vermutet, dass er Hautkrebs hat, bevor sein Arzt ihm die Diagnose mitteilte.

Stefan Richter hat sich in einer Herzklinik sehr respektlos behandelt gefühlt.

Für Stefan Richter war es sehr wichtig, sich selbst zu informieren.

Stefan Richter war seine Frau eine große Stütze.

Stefan Richter betonte die Chance von niedrigschwelligen Methoden wie Akupunktur.

Stefan Richter konnte nicht direkt realisieren, dass sich die Nachsorgeintervalle für ihn vergrößerten.

Für Stefan Richter waren die körperlichen Veränderungen infolge der Kortison-Einnahme schwierig.

Stefan Richter erlebte im Krankenhaus kritische Momente.

Konzerte und sein Ehrenamt als Lesementor in der Grundschule geben Stefan Richter viel Rückhalt.

Stefan Richter nutzt die Vorteile seines Schwerbehindertenausweises.

Stefan Richter hat bereits vor der Diagnose eines malignen Melanoms eine innere Stärke entwickelt, die ihm im Umgang mit der Erkrankung hilft.

Stefan Richter begegnet seiner Krankheit häufig mit Humor.