Die Erfahrungen von Dirk Winter

Portrait Dirk Winter ist zum Zeitpunkt des Interviews 56 Jahre alt. Er wohnt alleine, befindet sich in einer Partnerschaft und arbeitet in Vollzeit. Dirk Winter hatte schon eine Weile ein Muttermal am Oberarm, dass er regelmäßig bei seinem Hausarzt kontrollieren ließ. Dieser hatte es nicht als gefährlich eingestuft. Als das Muttermal sich allerdings abzulösen begann, suchte Dirk Winter erneut ärztlichen Rat. Die betroffene Stelle wurde Ende 2020 herausgeschnitten und als malignes Melanom diagnostiziert. Es erfolgten ein Nachschnitt und weitere Untersuchungen in einer Uniklinik. Aufgrund des Verdachts auf Fernmetastasen begann Dirk Winter eine zielgerichtete Therapie, in deren Folge er einige Infekte entwickelte. Die Metastasen gingen jedoch zurück, die Therapie konnte beendet werden und zum Zeitpunkt des Interviews befindet sich Dirk Winter in regelmäßiger Kontrolle. Sowohl im persönlichen als auch im beruflichen Umfeld hat Dirk Winter die Erkrankung offen kommuniziert und große Anteilnahme und Unterstützung erfahren.

Dirk Winter fiel 2020 ein Muttermal am Oberarm auf, das er zunächst seinem Hausarzt zeigte. Dieser stufte es als ungefährlich ein, empfahl aber jährliche statt zweijährige Kontrolle. Da Dirk Winter keinen Hautarzt hatte, nahm er dieses Angebot an. Sein Hausarzt ging allerdings in Rente und es kam die COVID-19-Pandemie, sodass Dirk Winter zunächst keinen weiteren ärztlichen Rat aufsuchte, als der Fleck immer dunkler wurde. Irgendwann löste sich die Stelle beim Abtrocknen, was Dirk Winter dazu veranlasste, die Nachfolgerin seines ehemaligen Hausarztes aufzusuchen. Sie leitete in die Wege, dass die betroffene Hautregion beim ortsansässigen Chirurgen herausgeschnitten wurde. Den Ergebnisbefund, die Diagnose eines malignen Melanoms, erhielt Dirk Winter, als er beruflich im Ausland war. Ihm wurde mitgeteilt, dass der Krebs lebensbedrohlich ist und er brach den Job ab und kam unmittelbar nach Hause. Seine neue Hausärztin kümmerte sich um einen Termin in der nächstgelegenen Universitätsklinik. Zwar spürte Dirk Winter ein Gefühl der Ohnmacht, aber hatte Vertrauen in die Ärzt*innen. Der Arzt in der Klinik beruhigte ihn zudem, dass sein gesundheitlicher Zustand erst nach den geplanten Untersuchungen genauer eingestuft werden konnte.

Im Vorfeld der Untersuchungen und eines Nachschnittes in der Klinik nahm Dirk Winter auf eigene Kosten ein vollständiges Hautkrebs-Screening in einer dermatologischen Praxis für Privatversicherte und Selbstzahlende in Anspruch, um sich abzusichern. Dort wurden zwei Flecken weggeschnitten, deren Befunde jedoch unauffällig waren. Dirk Winter konnte aufgrund der Pandemie keine Begleitung mit zu den Untersuchungen in der Klinik nehmen, aber seine Freundin hat meist auf dem Parkplatz gewartet und ihn sehr unterstützt. Im Zuge des operativen Eingriffs in der Klinik wurde auch ein Wächterlymphknoten entfernt. Dieser war bereits befallen, sodass Dirk Winter eine adjuvante Therapie empfohlen wurde. Da die Klinik keine Kapazitäten mehr hatte, wurde er zur weiteren Behandlung in die nächste Klinik geschickt. Dort gab es weitere Untersuchungen. Es wurde festgestellt, dass Dirk Winter eine BRAF-Mutation hat, sodass eine zielgerichtete Therapie oder eine moderne Immuntherapie für ihn infrage kamen. Dirk Winter informierte sich umfassend über beide Therapien. Die Entscheidung fiel ihm nicht leicht, aber insbesondere sein bester Freund unterstützte ihn hierbei sehr.

Dirk Winter sagt, dass ihn die Information, dass potenzielle Nebenwirkungen wieder zurückgehen können, zur zielgerichteten Therapie überzeugte. Im Kontext der Untersuchungen kam ein Verdacht auf Fernmetastasen in der Leber sowie in einem weiteren Lymphknoten in der Achsel auf. Der Krebs befand sich schließlich bereits in Stufe IV und die Therapie war somit nicht mehr adjuvant. Dirk Winter bekam entsprechend Tabletten, die direkt zu Beginn Fieber und Unwohlsein auslösten. Die Einnahme wurde für zwei Wochen pausiert, danach ging es ihm besser. Dirk Winter vermutete, dass er als Folge der Therapie einen weißen Hautkrebs entwickelte, der mit einer Salbe behandelt werden konnte. Die Erschöpfung konnte Dirk Winter insofern gut bewältigen, dass er pandemiebedingt viel zuhause war und sich ausruhen konnte, da er sich in Kurzarbeit befand.

Die zielgerichtete Therapie war erfolgreich: Zum Zeitpunkt des Interviews hat Dirk Winter seit ca. 14 Monaten keine Behandlung mehr und befindet sich in regelmäßigen Kontrollen. Er sagt, dass diese Termine immer wieder mit einem Zittern verbunden sind, er aber ansonsten kaum noch Einschränkungen im Alltag verspürt. Dass er die Sonne meiden muss, obwohl er immer ein Sonnenanbeter war, fällt ihm jedoch schwer. Mit seiner Freundin passte er die Urlaube entsprechend an. Dirk Winter hat es sehr geholfen, seine Krankheit sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld offen zu kommunizieren. Die Anteilnahme war ihm eine große Unterstützung. Darüber hinaus helfen ihm besonders der Austausch in einer Selbsthilfegruppe, sein Humor und Ablenkung durch Hobbys.

Das Interview wurde im Juni 2025 geführt.


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