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Die Erfahrungen von Michael Baumann

Portrait Michael Baumann ist zum Zeitpunkt des Interviews im Juli 2021 62 Jahre alt und lebt mit seiner Ehefrau in einem Haus in einer Kleinstadt. Er wurde im März 2020 erst nach dem dritten PCR-Abstrich positiv auf das Coronavirus SARS-CoV-2 getestet. Aufgrund einer Lungenentzündung wurde er intensivmedizinisch behandelt. Wegen anhaltender Beschwerden war Michael Baumann nicht mehr arbeitsfähig und erhält nun eine Erwerbsminderungsrente.

Die ersten Symptome von Michael Baumann waren Durchfälle, die er zunächst mit seiner Morbus Crohn Erkrankung in Verbindung brachte. Nach etwa einer Woche bekam er Fieber und wurde nach einem Kreislaufzusammenbruch im Krankenhaus behandelt. Dort stellte man eine Lungenentzündung fest. Michael Baumann litt dort unter schweren Hustenattacken und Geschmacksverlust. Im Krankenhaus fielen zwei PCR-Tests negativ aus bevor der dritte Test ein positives Ergebnis zeigte. Daraufhin wurde Michael Baumann isoliert. Im Krankenhaus wurde er mit Antibiotikum, Inhalationen und Sauerstoffgabe behandelt. Nach einigen Tagen verschlechterte sich seine Sauerstoffsättigung, sodass er auf die Intensivstation verlegt wurde. Michael Baumann erlebte die Zeit dort als „fast schon traumatisch“, da über eingreifende Behandlungsmethoden, z.B. Venenkatheter, nicht ausreichend mit ihm kommuniziert wurde. Bei der nicht-invasiven Beatmung litt er unter Erstickungsgefühlen, bekam Panik und die Behandlung wurde abgebrochen, weil dieser Zustand für ihn nicht mehr auszuhalten war.

Michael Baumann wurde nach einer Woche in eine andere Klinik verlegt und dort auf der lungenheilkundlichen Intensivstation behandelt. Hier hatte er das Gefühl, besser aufgehoben zu sein. Trotzdem fühlte er sich auf der Intensivstation „alleingelassen mit all den Geräten, mit all den Alarmen“. Als seine Sauerstoffsättigung kritisch wurde, musste Michael Baumann erneut nicht-invasiv beatmet werden. Bei vollem Bewusstsein war dies für ihn nicht auszuhalten. Da der Eingriff aber medizinisch notwendig war, um sein Überleben zu sichern, bekam er Morphium. Dies ermöglichte die Behandlung, welche seinen Zustand schließlich verbesserte. Michael Baumann konnte schließlich verlegt und nach insgesamt 2 Wochen in der zweiten Klinik entlassen werden.

Nachdem er lange krankgeschrieben war, begann Michael Baumann im Juni 2020 eine Wiedereingliederungsmaßnahme. In dieser Zeit fühlte er sich sehr müde und konnte sich nur schwer konzentrieren. Nach seiner ersten regulären Arbeitswoche brach er zusammen und wurde wieder krankgeschrieben. Im März 2021 nahm er an einer fünfwöchigen Reha teil. Mithilfe des Gutachtens aus der Reha, das ihm bescheinigte, dem Arbeitsmarkt nur unter drei Stunden zur Verfügung zu stehen, konnte er eine Erwerbsminderungsrente beantragen, der zügig stattgegeben wurde.

Michael Baumann ging es zum Zeitpunkt des Interviews im Juli 2021 besser, aber er erholte sich nur langsam und seine Kondition war noch nicht gut. Er versuchte, u.a. durch viele Spaziergänge, wieder fitter zu werden. Die anhaltenden Symptome belasteten ihn, daher nahm er auch eine Gesprächstherapie in Anspruch, die ihm sehr half. Seine neue Lebenssituation zu akzeptieren war für ihn dabei ein besonders wichtiger Schritt. Besonders hilfreich empfand Michael Baumann den Austausch in seiner Selbsthilfegruppe mit anderen COVID-19 Betroffenen.

 

Alle Interviewausschnitte von Michael Baumann

Michael Baumann empfiehlt, sich nicht unter Druck zu setzen und seine eigenen Grenzen nicht zu überschreiten.

Michael Baumann rät, eine psychosomatische Reha bei anhaltenden Beschwerden zu machen und die Hoffnung nicht zu verlieren.

Michael Baumann beschreibt, wie alleingelassen er sich mit all den Geräten und Alarmen fühlte und wie sehr ihn diese belasteten.

Michael Baumann bat darum die Alarme anders einzustellen und hat kein Verständnis dafür, dass man Patient*innen mit dem „Gepiepse“ belastet.

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