Die Erfahrungen von Angelika Schüler
Zum Zeitpunkt des Interviews ist Angelika Schüler 69 Jahre alt. Sie ist berentete Bürokauffrau und lebt gemeinsam mit ihrem Mann. 2017 bekam Angelika Schüler die Diagnose eines Plattenepithelkarzinoms auf der Zunge und im Rachen. Vor allem direkt im Anschluss an die Eingriffe schränkten die Folgen Angelika Schüler im Alltag sehr ein und sie war auf die Hilfe ihres Mannes angewiesen. Dieser ist ihr eine große Stütze und begleitet sie bei Untersuchungen und Nachsorgeterminen. Angelika Schüler versucht, sich die Zeit nach ihren Bedürfnissen zu gestalten und sich Wünsche, beispielsweise Reisen, zu erfüllen.
Angelika Schüler hatte schon eine Weile eine auffällige Stelle an ihrer Zunge, die als Lichen diagnostiziert wurde. Ihr Zahnarzt machte sie darauf aufmerksam, dass sie diese besser weiterhin regelmäßig kontrollieren lasse, doch bei ihren Besuchen bei HNO-Ärzt*innen wurde nichts weiter festgestellt. Hinzu kamen wechselnde Ärzt*innen mit unterschiedlichen Meinungen. Angelika Schüler sagt, dass sie deshalb weitere Untersuchungen schleifen ließ, bis sie 2017 wegen Schluckbeschwerden auf Empfehlung ihrer Schwiegermutter einen neuen HNO-Arzt aufsuchte, bei dem ihr Mann ebenso schon war. Der Arzt nahm direkt eine Probe von ihrer Zunge und schaute sich ihren Hals an. An insgesamt drei Stellen wurden Plattenepithelkarzinome diagnostiziert und Angelika Schüler wurde operiert.
Teil der Operation war ein Luftröhrenschnitt, sodass Angelika Schüler im Anschluss zunächst nicht reden und essen konnte. Da sie bereits zuvor mit Panik zu kämpfen hatte, waren diese, wenn auch größtenteils temporären Einschränkungen, für Angelika Schüler sehr belastend. Die emotionale Unterstützung und körperliche Pflege durch ihren Mann waren Angelika Schüler eine große Hilfe. Nach einer Weile zuhause konnte Angelika Schüler in einer onkologischen Reha-Klinik langsam wieder zu Kräften kommen und sagt, dass sie ihr Ziel verfolgte, wieder zu arbeiten und ins Leben zurückzukehren. Da der Krebs nicht nachgab und immer wieder neue Tumoren wuchsen, wurden bei Angelika Schüler insgesamt 23 Eingriffe unter Vollnarkose in knapp sieben Jahren gemacht. Zeitweise ging Angelika Schüler wieder arbeiten, auch unter körperlich eingeschränkten Zuständen. Sie wurde jedoch ausgesteuert und ihr Arbeitgeber zeigte wenig Entgegenkommen. So wurde Angelika Schüler rückwirkend ab 2017 berentet und wollte sich die Mühe sparen, dagegen zu klagen.
Angelika Schüler wurde immer liebevoll von ihrem Mann begleitet und unterstützt. Ebenso ihr Sohn samt Familie und ihre Schwiegermutter boten ihr stetige Unterstützung an und sie freute sich, wenn ihre Schwiegermutter ihr einen Grießbrei kochte, den sie im Krankenhaus essen konnte. Mit ihrem Mann oder Freundinnen zu verreisen ist für Angelika Schüler ein wichtiger Bestandteil ihrer Lebensqualität. Da Angelika Schüler bereits wegen vorherigen Panikattacken psychologische Unterstützung hatte sowie eine onkologische Psychotherapie in Anspruch nahm, greift sie in kritischen Situationen auf diese Erfahrungen zurück. Außerdem schenken ihr in akuten belastenden Situationen Atemübungen Ruhe.
Vierteljährlich geht Angelika Schüler zu Check-ups ins Krankenhaus. Dort pflegt sie mittlerweile einen vertrauten Umgang mit dem medizinischen Personal und hat zudem ein wertschätzendes Verhältnis zum Chefarzt aufgebaut, sodass dieser mit ihr ganz offen über die Krankheit und deren Verlauf sprechen kann. So haben sie sich gemeinsam dazu entschieden, nicht bei jeder kleinen Auffälligkeit Gewebeproben zu entnehmen, weil Angelika Schüler nur noch Eingriffen zustimmen möchte, die dringend notwendig sind. Angelika Schüler ist mit den Jahren ihrer Erkrankung selbstsicherer geworden und hat gelernt, was ihr guttut. Sie sagt, dass sie viele Dinge heute mit anderen Augen sieht und nach dem Motto „Innehalten und Genießen“ lebt.
Das Interview wurde im Oktober 2024 geführt.
Alle Interviewausschnitte von Angelika Schüler
Die Begleitung durch ihren Mann beruhigt Angelika Schüler immer sehr.
Angelika Schüler hatte schlechte Erfahrungen mit dem Arbeitsamt und ihrem Arbeitgeber.
Angelika Schüler versucht, sich ausgewogen zu ernähren.
Angelika Schüler denkt, dass es wichtig ist, die Kleinigkeiten im Alltag zu genießen.
Angelika Schüler hatte keine Kraft, die rückwirkende Verrentung anzufechten.
Angelika Schüler schätzt die Unterstützung ihres Mannes sehr.
Angelika Schüler hat ihre Narbe lange durch einen Schal versteckt.
Angelika Schülers Mann kommunizierte nach der OP über eine „Zaubertafel“ mit ihr.
Angelika Schüler verabredete mit ihrem Ehemann, dass er nur einmal nach Unterstützung fragen sollte.
Angelika Schüler konnte ihre Ängste mit einer Kollegin teilen, die an Brustkrebs erkrankt war.
Angelika Schüler freut sich auf Reisen und kulturelle Veranstaltungen.
