Die Erfahrungen von Kerstin Moser

Portrait Kerstin Moser ist zum Zeitpunkt des Interviews 59 Jahre alt. Sie ist ledig und lebt in einer Wohngemeinschaft. Sie arbeitet Teilzeit als Chemikerin in der Pharmaindustrie. 2018 wurde bei ihr ein malignes Melanom in einem leichten Stadium diagnostiziert, woraus sich wenig später das Stadium IIIB entwickelte. Durch zweimalige Gabe von Checkpoint-Inhibitoren konnte der Progress verhindert werden. Im September 2021 wurden Metastasen festgestellt. Aufgrund von Bestrahlung sind die Metastasen nur noch zu einem geringen Anteil im Gehirn nachweisbar und Kerstin Moser kann derzeit einem gesunden und sportlichen Lebensstil nachgehen.

Im Oktober 2018 war Kerstin Moser zum Hautscreening beim Hautarzt und es wurden Proben von drei verdächtigen Haustellen zur Biopsie eingeschickt. Eine davon stellte sich als Hautkrebs in einer leichten Stufe heraus und wurde herausgeschnitten. Es folgten keine weiteren diagnostischen Schritte, bis Kerstin Moser beim Klettern einen Knoten in der Leistenregion feststellte. Als sie diesen Knoten nicht mit einem Infekt begründen konnte, stellte sie sich beim Hausarzt vor. Diesem fiel auf, dass sich der Knoten auf der gleichen Seite wie das Melanom im Oktober 2018 befand. Daraufhin veranlasste er sofort eine Sonographie des Lymphknotens in der Leiste und stellte fest, dass dieser bösartig war. Kerstin Moser ergriff Eigeninitiative und begab sich in ein onkologisches Zentrum. Nach Biopsie, MRT und CT stand fest, dass es Krebs im Stadium IIIB war. Die Therapie sollte mit Checkpoint-Inhibitoren erfolgen. Nach zweimaliger Gabe musste diese wegen starker Nebenwirkungen abgebrochen werden. Kerstin Moser hoffte, dass auch eine zweimalige Gabe reichte, um den Progress zu verhindern und es wurden nur noch MRT- und CT-Kontrollen gemacht, zunächst alle drei, dann alle sechs Monate.

Nachdem Kerstin Moser im September 2021 aus einem Rad-Urlaub wiederkam, wurden bei einer Kontrolle eine Hirnmetastase und weitere Metastasen im Körper festgestellt. Dieser Befund kam für Kerstin Moser unerwartet, da sie sich zu der Zeit sehr gut und fit fühlte. Die Therapie sollte erneut mit Checkpoint-Inhibitoren sowie Bestrahlung erfolgen. Da die Hirnmetastase bis zum Bestrahlungstermin stark gewachsen war, musste die Form der Bestrahlung angepasst werden. Kerstin Moser sprach gut auf die Therapien an, sodass aktuell nur noch ein minimaler Rest der Hirnmetastase vorhanden ist und die anderen Metastasen gar nicht mehr nachgewiesen werden konnten. Die Unsicherheit während dieser Zeit belastete sie dennoch sehr sowie litt Kerstin Moser in Folge der Therapien an verschiedenen Nebenwirkungen, u. a. eine Hypophysitis ist: Da ihre Hypophyse nicht richtig arbeitet, ist Kerstin Moser auf die Gabe von Cortison angewiesen.

Durch einen gesunden, sportlichen Lebensstil, der Kerstin Moser regelmäßig in die Natur und zur Bewegung führt, konnte sie einen gewissen Rückhalt spüren. Auch halfen ihr enge Freund*innen, die sie beispielsweise bei kleinen Spaziergängen begleiteten, wenn sie gerade nicht so viel Energie hatte. Kerstin Moser gibt es Sicherheit, so gut wie möglich über den aktuellen Forschungsstand informiert zu sein, was ihr durch ihre Arbeit als Chemikerin in der Pharmaindustrie erleichtert wird. Kerstin Moser weiß, dass sie mit ihrem hellen Hauttyp und vielen Sommersprossen ein erhöhtes Hautkrebsrisiko hatte. Daher nahm sie bereits seit ihrem 19. Lebensjahr Kontrolluntersuchungen in Anspruch, bei denen immer wieder atypische Muttermale entfernt wurden. Aufklärung und Ermutigung zur Hautkrebsvorsorge sind ihr daher ein wichtiges Anliegen. Kerstin Moser hat sich im Rahmen ihrer Erkrankung auch mit dem Thema Tod und Sterben beschäftigt und sagt, dass es sie beruhigt hat, diesbezüglich planen. Zum Zeitpunkt des Interviews genießt sie jeden Tag und ist dankbar, dass sie ihr Leben nach ihren Bedürfnissen gestalten kann. Dabei hilft ihr nicht zuletzt die Hoffnung auf zukünftige Forschung und Studien zum Thema Hautkrebs.

Das Interview wurde im August 2024 geführt.


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