Die Erfahrungen von Martina Wenzel
Zum Zeitpunkt des Interviews ist Martina Wenzel 62 Jahre alt, lebt mit ihrem Mann zusammen und arbeitet in Teilzeit. 2014 wurde bei Martina Wenzel ein malignes Melanom am rechten Oberschenkel diagnostiziert. Dieses wurde entfernt und für eineinhalb Jahre eine vorbeugende Interferon-Therapie begonnen, nach der zunächst Ruhe war. 2017 kam es zu einem Rezidiv mit mehreren Metastasen. Martina Wenzel erhielt im Rahmen einer Studie eine gezielte Immuntherapie. Da diese nicht schnell genug anschlug, wurde Martina Wenzel darüber hinaus mit Herpes-Unterspritzungen behandelt, die schließlich wirkten. Es folgte für zwei Jahre eine moderne Immuntherapie, in Folge derer Martina Wenzel eine Hypophyseninsuffizienz entwickelte. Martina Wenzel engagiert sich heute in Selbsthilfegruppen und besucht internationale Kongresse, was ihr eine große Stütze im Umgang mit der Hautkrebserkrankung und den Nebenwirkungen ist.
2014 entdeckte Martina Wenzel einen Knubbel auf ihrem rechten Oberschenkel, der dunkel und erhaben war. Sie sagt, dass sie diesen zunächst nicht sehen wollte, aber ihr Mann sie ermutigte, eine hautärztliche Praxis aufzusuchen. Dort stellte sie sich vor, der Knoten wurde herausgeschnitten und ins Labor geschickt. Knapp eine Woche später bekam Martina Wenzel einen Anruf mit der Bitte, in die Praxis zu kommen. Aufgrund dessen hatte sie bereits vermutet, dass der Befund bösartig sein könnte. Dies bestätigte sich und sie erhielt die Diagnose eines malignen Melanoms. Ihre Hautärztin empfahl eine Weiterbehandlung in einer Fachklinik. Dort wurden im Rahmen eines Nachschnitts zwei Zentimeter vom Rand des Melanoms entfernt und zudem wurde zwei Zentimeter weiter in die Tiefe geschnitten. Des Weiteren wurde prophylaktisch ein Wächter-Lymphknoten entfernt, der nicht befallen war.
Martina Wenzel begann eine präventive Behandlung mit Interferon und nahm jedes Vierteljahr an den Nachuntersuchungen teil. Diese umfassten Sonographie, MRT sowie das Begutachten der entstandenen Narbe. So, wie die Ärzt*innen über ihre Narbe strichen, machte auch Martina Wenzel es regelmäßig zuhause. Nachdem sie eigentlich gerade aus der vierteljährlichen Kontrolle raus war, bemerkte sie 2017 ein Knötchen am entsprechenden Gewebe und suchte unmittelbar ihre Hautärztin auf. Diese überwies Martina Wenzel in die Fachklinik. Mittlerweile konnte Martina Wenzel schon drei Knötchen fühlen, sie wurde in eine Doppelblindstudie eingeschlossen und bekam eine gezielte Immuntherapie. Martina Wenzel sagt, dass die Ärzt*innen nicht schnell genug eine Wirkung sehen konnten und deshalb mit Herpes-Unterspritzungen begonnen wurde. Martina Wenzel hatte zu diesem Zeitpunkt bereits sieben Knötchen. Nach mehreren Behandlungen mit Herpes-Unterspritzungen gingen die Knötchen zurück. Martina Wenzel wurde eine anschließende moderne Immuntherapie mit einem Monopräparat empfohlen, die sie für zwei Jahre in Anspruch nahm.
Unter dieser gezielten Immuntherapie bemerkte Martina Wenzel zunehmend Müdigkeit und Schwäche. Sie konnte an Veranstaltungen mit mehreren Menschen nicht mehr teilnehmen, weil es sie zu sehr anstrengte. Als sie sich mit diesen Beschwerden bei ihren Ärzt*innen vorstellte, verwiesen diese auf das Fatigue-Syndrom und empfahlen Martina Wenzel, verstärkt auf einen gesunden Lebensstil zu achten. Trotz eines gesunden Lebensstils änderte sich ihr Zustand nicht. Martina Wenzel stellte sich erneut ärztlich vor und beharrte darauf, dass ihre Symptome nicht ausschließlich der Fatigue zugeordnet werden können. Ihre Ärztin nahm Martina Wenzel ernst und untersuchte ihre Blutwerte. Auf Basis dieser wurde eine Hypophyseninsuffizienz diagnostiziert, bei der die Cortisonproduktion gestört ist. Martina Wenzel wurde Hydrocortison verschrieben und sie merkte bereits nach der ersten Einnahme einen Rückgang ihrer Symptome.
Martina Wenzel besucht heute viele Kongresse und vernetzt sich dort mit anderen Hautkrebsbetroffenen. Besonders wichtig ist für sie die öffentliche Repräsentation der Erkrankung und auch der Nebenwirkungen, damit sowohl Ärzt*innen als auch Patient*innen ein geschärftes Bewusstsein dafür entwickeln können. Sie sagt, dass Ärzt*innen und Patient*innen viel voneinander lernen können und schätzt die große Lernbereitschaft der Ärzt*innen, mit denen sie Kontakt hatte. Martina Wenzel ist in der Selbsthilfe aktiv und hat gelernt, stressige Situationen möglichst im Vorfeld zu erkennen und ihre Hydrocortison-Dosierung dem Stresspegel im Alltag anzupassen. Es hilft ihr weiterhin, ihren Alltag gesundheitsfördernd zu gestalten, indem sie abhängig von ihren Kraftreserven regelmäßig Bewegung einbaut und sich gesund ernährt. Martina Wenzel besinnt sich im Leben auf das, was sie hat: Sie ist dankbar für eine unterstützende Familie und ein gutes Arbeitsumfeld.
Das Interview wurde im Februar 2025 geführt.
Alle Interviewausschnitte von Martina Wenzel
Martina Wenzel sieht eher in der Hypophyseninsuffizienz als im Krebs eine Herausforderung.
Bei Martina Wenzel hat die Virotherapie dafür gesorgt, dass die Metastasen zerstört wurden.
Für Martina Wenzel verblasste das Thema Tod und Sterben mit der Zeit.
Martina Wenzel erlebte auch soziale Einschränkungen.
Martina Wenzel rät dazu, sich gut zu informieren und achtsam mit sich selbst zu sein.
Martina Wenzel musste sich sammeln, bevor sie ihren Kindern von der Diagnose erzählte.
Martina Wenzel war enttäuscht, dass Leute ihre Krankheit unterschätzten.
Martina Wenzel kann mit anderen Betroffenen offener reden, als mit ihrer Familie.
Martina Wenzel half die Reha, wieder zu Kräften zu kommen.
Martina Wenzel wurde für den Nachschnitt an eine Fachklinik verwiesen.
Martina Wenzel ist dankbar, wenn die Forschung zu Hautkrebs weiter vorangetrieben wird.
Martina Wenzels Bewältigung besteht darin, aktiv zu bleiben.
