Sie sind hier: Startseite / Erfahrungsbereiche / COVID-19 / Personen / Charlotte Peters

Die Erfahrungen von Charlotte Peters

Portrait Zum Zeitpunkt des Interviews im April 2021 ist Charlotte Peters 56 Jahre alt. Sie lebt zusammen mit ihrem Ehemann und ihren zwei Söhnen im Teenageralter in einem Haus in einer Großstadt. Charlotte Peters ist im medizinischen Sektor tätig und betreut Kinder mit schweren Behinderungen. Im September 2020 wurden Charlotte Peters und ihr Mann auf das Coronavirus SARS-CoV-2 getestet, da ihre Eltern, mit denen sie zuvor im Urlaub waren, an einer SARS-CoV-2 Infektion erkrankten. Kurz nach dem positiven Testergebnis entwickelten sie und ihr Mann die ersten Symptome.

Nachdem Charlotte Peters ein Wochenende mit ihren Eltern und ihrem Mann verbracht hatte, berichtete ihre Mutter von Erkältungssymptomen. Da Charlotte Peters mit Kindern mit schweren Behinderungen arbeitet, bat sie ihre Eltern, einen COVID-19-Test zu machen, der positiv ausfiel. Daraufhin informierte sie ihre Chefin, die sie aufforderte, den Arbeitsplatz zu verlassen und sich um einen Test zu kümmern. Für den Test wandte sie sich an das Gesundheitsamt ihres Wohnsitzes. Dieses aber fühlte sich nicht zuständig, da die Eltern an einem Wohnort leben, für den ein anderes Gesundheitsamt zuständig war. Erst nach mehreren Telefonaten und einer gemeinsamen Konferenzschaltung mit beiden Gesundheitsämtern bekamen sie und ihr Mann einige Tage später einen Testtermin.

Ihr Testergebnis war positiv, welches ihr das Gesundheitsamt auf den Anrufbeantworter sprach. Mit dem positiven Testergebnis wurde Charlotte Peters vom Gesundheitsamt auch angewiesen, in Quarantäne zu gehen. Informationen zur Organisation der Quarantäne oder zum Umgang mit den körperlichen Symptomen erhielt sie nicht. Das verunsicherte sie. Sie fühlte sich alleingelassen. Daraufhin rief sie erneut das für sie zuständige Gesundheitsamt an und erfuhr, dass sich ein Betreuungsteam bei ihr melden würde. Erst am letzten Tag der Quarantäne nahm das Betreuungsteam Kontakt mit ihr auf.

Kurz nach Erhalt des positiven Testergebnisses bemerkte sie erste grippeartige Symptome wie Husten, die sich rasant verschlimmerten. Im weiteren Verlauf kamen noch Geschmacks- und Geruchsverlust sowie Atemschwierigkeiten hinzu. Während der Erkrankung unterstützten sich Charlotte Peters und ihr Mann gegenseitig. In der Zeit der Quarantäne erhielten ihre Kolleg*innen eine E-Mail ihrer Chefin, in der sie als an COVID-19 erkrankt benannt wurde. Zunächst fühlte sie sich dadurch an den Pranger gestellt. Ihre Kolleg*innen begegneten ihr aber stets mitfühlend, sodass es ihr im Nachhinein nicht mehr so viel ausmachte.

Nach dem Ende der zweiwöchigen Quarantäne und der anschließenden dreiwöchigen Krankschreibung fühlte sich Charlotte Peters noch nicht gesund. Sie war sehr müde und erschöpft, hatte Knochen-, Gelenk- und Muskelschmerzen und Wortfindungsschwierigkeiten.

Sie hatte das Gefühl, von Arzt zu Arzt „weitergeschoben“ zu werden und fühlte sich vom Praxisteam ihrer Hausärztin „wie eine Aussätzige“ behandelt. Zum Zeitpunkt des Interviews nahm sie an einer COVID-19 Studie teil und hatte eine Reha beantragt, von der sie sich erhoffte, die anhaltenden Symptome zu lindern. Ihr half es sehr, sich mit anderen Betroffenen, Kolleg*innen, aber auch mit ihrem Mann und ihren Eltern auszutauschen. So hatte sie das Gefühl, nicht allein mit ihren Erfahrungen zu sein.

 

Alle Interviewausschnitte von Charlotte Peters

Charlotte Peters hilft das Reden und der Austausch mit anderen, um sich nicht allein zu fühlen.

Charlotte Peters vermisste das gemeinsame Essen und den Gesprächsaustauch mit ihren Söhnen im Jugendalter, die vom Gesundheitsamt negativ getestet wurden und negativ blieben.

Charlotte Peters beschreibt, wie sie und ihr Mann aufgrund der Erkrankung eine Woche nur gelegen haben und sich wegen der Atemnot gegenseitig beobachteten.

Charlotte Peters beschreibt, dass sie psychische Unterstützung nur von Freund*innen bekam. Für die alltägliche Versorgung nutzte sie u.a. zum ersten Mal den Lieferservice des Supermarktes.

Charlotte Peters beschreibt wie surreal sie die Zeit der Quarantäne empfand und sie die Sorge begleitete, was passiert, wenn ihr Zustand sich verschlimmert.

Charlotte Peters tauscht sich mit ihrem Mann aus und es wird klar, dass er sich ebenso so viele Sorgen um sie macht wie sie sich um ihn.

Charlotte Peters hätte sich mehr Hilfe von dem Betreuungsteam des Gesundheitsamts gewünscht.

Charlotte Peters findet psychologische Unterstützung bei der Erkrankung wichtig.

Artikelaktionen

Förderung dieses Erfahrungsbereichs

Logo BZgA