Die Erfahrungen von Josef Ludwig
Josef Ludwig ist zum Zeitpunkt des Interviews 73 Jahre alt, in Rente, verheiratet und lebt gemeinsam mit seiner Frau. Im April 1990 erhielt er im Alter von 38 Jahren die Diagnose eines malignen Melanoms an der linken Ohrmuschel. Josef Ludwig war zu dem Zeitpunkt als KFZ-Mechaniker berufstätig und fiel in Folge der Erkrankung ein halbes Jahr krankheitsbedingt aus. Er wurde operiert und konnte durch einen Rehabilitationsaufenthalt sowie die Unterstützung seiner Familie und seine Liebe zur Musik wieder in den Alltag zurückfinden. Josef Ludwig legt heute viel Wert auf Vorsorge und nimmt regelmäßig die Nachsorge in Anspruch.
Josef Ludwig entdeckte bei seiner Arbeit als KFZ-Mechaniker 1990 einen dunklen Fleck an seiner linken Ohrmuschel. Er dachte zunächst, es ist ein Pickel, da er in der Vergangenheit bereits mit Akne zu tun hatte. Nachdem er jedoch an der Hautstelle rieb und sie anfing zu bluten, zeigte er diese seinem Hausarzt. Josef Ludwig bekam eine Salbe, die Wunde verheilte jedoch nicht. Er suchte erneut seinen Arzt auf, der eine Probe entnahm und ein malignes Melanom feststellte. Er vermittelte Josef Ludwig zudem direkt den Kontakt zu einer Universitätsklinik. Josef Ludwig bekam dort zeitnah einen Termin für Untersuchungen und wurde im Anschluss daran stationär aufgenommen. Es wurde eine radikale Halslymphonodektomie durchgeführt, bei der ihm das Ohr und alle umliegenden Lymphknoten und Gewebestrukturen entfernt wurden und damit auch potenzielle Tumorzellen. Körperlich hat Josef Ludwig sich nach dem Eingriff gut erholt, wenn es auch zwischenzeitlich zu einem Lymphstau kam. Ihn erleichterte die Nachricht, dass der Tumor vollständig entfernt werden konnte und er nach insgesamt vier Wochen nach Hause durfte.
Josef Ludwig hat sich nach der Diagnose sowie vor der Operation viele Sorgen gemacht und hatte Angst, dass er den Krebs nicht überlebt. Zudem haben ihm die potenziellen äußeren Veränderungen Gedanken bereitet: Seine längeren Haare wurden vor dem Eingriff abgeschnitten und ihm fehlte danach das Ohr. So verkroch er sich erst einmal, als er wieder zuhause war. Er sagt, dass er sich schämte und lange einer Ohrenklappe trug. In kleinen Schritten traute er sich nach und nach raus und holte beispielsweise seine Söhne vom Schulbus ab. Josef Ludwig sagt, dass ein Erlebnis im Schwimmbad ihm sein Selbstbewusstsein zurückgab: Seine Badekappe war verrutscht und ein kleiner Junge äußerte ihm gegenüber: „Das hat bestimmt weh getan“. Danach ging er wieder ohne Ohrenklappe vor die Tür.
Josef Ludwig war nach der Operation ein halbes Jahr krankgeschrieben. Ein Rehabilitationsaufenthalt unterstützte seine Genesung. Danach kehrte er in seinen Beruf zurück, was ihm durch das Verständnis und die Unterstützung seines Vorgesetzten und seiner Kollegen erleichtert wurde. Die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen nahm Josef Ludwig von Anfang an sehr ernst. Anfangs fanden sie wöchentlich statt, später wurden die Abstände größer. Zum Zeitpunkt des Interviews geht Josef Ludwig einmal jährlich zur HNO-Ärztin, auch zur intensiven Reinigung seines Ohrs. Sein Gehör ist durch die Krankheit und den Eingriff vermindert, ebenso erlebt er Einschränkungen beim rückwärts einparken, da er die Distanz nicht mehr so gut einschätzen kann. So hat Josef Ludwig den Krebs immer etwas im Hinterkopf und ist zugleich vorsichtiger und aufmerksamer mit seinem Körper.
Im Rahmen einer späteren Nachuntersuchung wurde ein schwarzer Fleck auf der Nase als Lentigo maligna diagnostiziert, ein sehr frühes Stadium eines Melanoms. Zwei Operationen waren notwendig, konnten den Tumor aber vollständig entfernen. Auch ein später diagnostizierter Prostatakrebs wurde durch eine radikale Operation erfolgreich behandelt, ohne dass bleibende Beschwerden zurückblieben. Josef Ludwig fühlte sich in allen Behandlungsphasen medizinisch sehr gut aufgeklärt und betreut. Auch die Reha-Maßnahmen sowie der Austausch in einer Selbsthilfegruppe empfand er als große Unterstützung.
In belastenden Phasen half Josef Ludwig vor allem die Musik – insbesondere die der Beatles. Aus seiner Begeisterung entwickelte sich ein persönliches Projekt: Der Aufbau eines eigenen Beatles-Museums, das er seit 27 Jahren betreibt. Dieses Herzensprojekt hat ihm in der Krankheitsverarbeitung sehr geholfen und gibt ihm bis heute Struktur und Lebensfreude. Auch seine Frau ist für ihn eine tragende Säule. Der Tod seines ältesten Sohnes im Jahr 2009 war ein schmerzlicher Verlust, doch die Zeit mit seinem jüngeren Sohn, dessen Familie und den Enkelkindern schenken ihm viel Freude im Alltag. Josef Ludwig sagt, dass ihm darüber hinaus seine Eigenschaften im Umgang mit den Erkrankungen geholfen haben: Er beschreibt sich selbst als strukturierten und gewissenhaften Menschen, was sich in seinem Lebensstil widerspiegelt, so auch hinsichtlich Sonnenschutz.
Das Interview wurde im Mai 2025 geführt.
Alle Interviewausschnitte von Josef Ludwig
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Eine Begegnung mit einem kleinen Jungen im Schwimmbad hat Josef Ludwig sehr gutgetan.
Für Josef Ludwig war die Reha eine erholsame Auszeit.
Josef Ludwig hat sich durch eine Pflegefachperson gut auf die OP vorbereitet gefühlt.
Josef Ludwig hat Musik sehr viel Kraft gegeben.
Josef Ludwig hat Alltagsaktivitäten angepasst, die sich auf sein Gehör beziehen.
