Die Erfahrungen von Katharina Hofmann
Katharina Hofmann ist zum Zeitpunkt des Interviews 34 Jahre alt. Sie wohnt alleine und ist derzeit nicht erwerbstätig. 2015 erhielt sie im Alter von 24 Jahren die Diagnose eines malignen Melanoms. Nach Erstdiagnose und Mikrometastasen im Wächterlymphknoten bekam sie für 18 Monate eine Interferon-Therapie, danach gab es regelmäßige Kontrollen. Nach fünf Jahren sowie nach weiteren dreieinhalb Jahren wurden jeweils neue Metastasen festgestellt, sodass Katharina Hofmann zudem eine gezielte Immuntherapie und Hirnbestrahlung erhielt. Zum Zeitpunkt des Interviews nahm sie Tabletten im Kontext der personalisierten Medizin. Katharina Hofmann sind ihre Familie und ihr Freundeskreis eine große Stütze. Sie hat im Laufe der Hautkrebserkrankung gelernt, ihre Bedürfnisse zu kommunizieren und Hilfe von anderen, aber auch Unterstützungsangebote wie Maltherapie anzunehmen. Sie genießt die wesentlichen Dinge im Alltag, alles in ihrem eigenen Tempo.
Katharina Hofmann war 2015 mit ihren Eltern im Badeurlaub, als ihre Mutter ein Blatt von ihrem Gesäß entfernen wollte. Es stellte sich heraus, dass dies stattdessen ein Muttermal war, das ihr vorher nicht aufgefallen war. HK25 suchte nach dem Urlaub unmittelbar einen Hautarzt auf, der die Stelle operativ entfernte. Seine Vermutung eines malignen Melanoms bestätige sich und Katharina Hofmann musste weniger Tage später ins Krankenhaus. Es erfolgten weitere Untersuchungen und die Entfernung des Wächterlymphknotens. Dieser enthielt Mikrometastasen, weshalb auch alle anderen Lymphknoten im betroffenen Bereich entfernt wurden. Katharina Hofmann sagt, dass sie den Krebs zu dem Zeitpunkt noch weniger ernstnahm und ihn nur schwer einordnen konnte. Sie befand sich kurz vor dem Abschluss ihres Bachelorstudiums, sodass ihre Priorität der zeitnahe Einstieg in das Arbeitsleben war. Ihre Familie – ihre Eltern und ihre jüngere Schwester – begleitete sie bei Untersuchungen und Katharina Hofmann fühlte sich gut aufgefangen.
Es wurde eine Interferon-Behandlung gestartet, auf die Katharina Hofmann sehr sensibel reagierte. Sie nahm es jedoch hin, durch die Therapie geschwächt zu sein und sagt, dass das Wichtigste für sie in dem Moment war, den Krebs zu besiegen. Nach 18 Monaten konnte die Therapie beendet werden und es erfolgten regelmäßig Kontrolluntersuchungen, bis Katharina Hofmann nach fünf Jahren als krebsfrei eingestuft wurde. Einige Wochen später fühlte sie jedoch einen Knoten am hinteren Oberkörper und suchte direkt ihren Arzt auf. Es wurden sieben verschiedene Metastasen-Herde von der rechten Wade bis zum linken Schlüsselbein im Muskelgewebe festgestellt. Diese waren inoperabel, da nicht so viel in die Muskeln geschnitten werden konnte. Katharina Hofmann war sehr geschockt, da sie ursprünglich als „geheilt“ galt und die Metastasen sehr schnell und aggressiv gewachsen sind. Es wurde eine BRAF-Mutation festgestellt und eine gezielte Immuntherapie gestartet. Die Metastasen gingen zurück, aber Katharina Hofmann war starken Nebenwirkungen ausgesetzt und befand sich in lebensbedrohlichen Situationen, bekam z. B. Bluttransfusionen. Aufgrund der Ängste und Sorgen ging ihre erste Ehe zudem während dieser Zeit zu Bruch.
Nach Ende der Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren brauchte Katharina Hofmann eine lange Erholungszeit sowie arbeiteten ihre Leber und Schilddrüse infolge der Therapie nicht mehr richtig. Auch ihr Zyklus setzte aus. In engmaschigen Kontrollen war alles unauffällig, sodass Katharina Hofmann drei Jahre nach Auftreten der Metastasen mit ihrem neuen Partner in die USA auswanderte. Dort wachte sie ein weiteres halbes Jahr später mit starken Kopfschmerzen auf. Die Ärzt*innen brauchten lange, um diese einzuordnen. In der Zeit hatte Katharina Hofmann fünf Hirnblutungen und ihr Hirndruck war sehr hoch. Es wurde ein Shunt-Überdruckventil eingesetzt, damit das Hirnwasser ablaufen konnte. Nach fünf Wochen wurden Metastasen im Nervenwasser der Wirbelsäule und des Gehirns festgestellt. Als Katharina Hofmann sich körperlich einigermaßen fit fühlte, reiste sie zurück nach Deutschland, um bei dem Chefarzt in Behandlung zu gehen, den sie bereits kannte. Ihr Partner begleitete sie und flog danach zurück in die USA. Katharina Hofmann sagt, dass auch ihre zweite Ehe letztendlich unter der Krebserkrankung litt und befindet sich zum Zeitpunkt des Interviews im Scheidungsprozess. Sie wird im Rahmen der personalisierten Medizin mit einer Tablettentherapie behandelt und hat engmaschige Untersuchungen.
Katharina Hofmann sagt, dass es ihr emotional besser geht, als körperlich. Es fehlt ihr die Feinmotorik und Koordination, sodass sie im Alltag auf Hilfe angewiesen ist. Katharina Hofmann hat einen Pflegegrad sowie erleichtert eine Gehhilfe ihr die Bewegung im Alltag. Dennoch musste sie lernen, ihre Selbstständigkeit abzulegen und Hilfe anzunehmen. So wäscht und kocht ihre Mama für Katharina Hofmann. Ihre Familie und ihr Freundeskreis sind ihr eine große Stütze und achten sehr auf ihre Bedürfnisse, indem sie die Unternehmungen entsprechend anpassen. Zudem ist Katharina Hofmann dankbar für ihre tollen Ärzt*innen, die Psychoonkologie und das Selbsthilfe-Angebot. Beispielsweise helfen ihr die Mal- und die Physiotherapie sehr. Gleichzeitig hat Katharina Hofmann akzeptiert, dass ihr Körper nicht so bald dahin zurückkommt, wo er war. Vor der Diagnose hat sie Leistungssport betrieben, spart nun aber all ihre Kraft für den Kampf gegen den Krebs auf.
Katharina Hofmann sagt, dass insbesondere ihr Körpergefühl ein wunder Punkt ist. Durch den Krebs und die Therapien hat sich ihr Erscheinungsbild stark verändert. Auch hierzu gehörte ein langer Prozess der Akzeptanzentwicklung. Reiki, eine japanische Entspannungsmethode, hilft ihr dabei sehr. Katharina Hofmann ist stolz darauf, was ihr Körper schon alles geschafft hat und passt sich seinem Tempo an. So lässt sie sich keine externen Anforderungen aufdrücken, sondern schläft und entspannt mit einem Hörbuch, wann immer ihr Körper dies braucht. Katharina Hofmann hat sich intensiv mit dem Thema Tod und Sterben auseinandergesetzt. Dies ist nicht dauerhaft präsent, aber sie hat alles geregelt und ihrer Familie gegenüber kommuniziert. Sie sagt, dass der Krebs ihr Paket im Leben ist. Dieses trägt sie, solange sie kann, und genießt die Zeit mit Familie und Freund*innen. Für die Zukunft wünscht Katharina Hofmann sich mehr Akzeptanz und Aufklärungsarbeit in der Gesellschaft.
Das Interview wurde im Juni 2025 geführt.
Alle Interviewausschnitte von Katharina Hofmann
Katharina Hofmann hat Verständnis, wenn das Fachpersonal mal ungeduldig ist.
Für Katharina Hofmann war die Blutentnahme sehr belastend.
Für Katharina Hofmann waren die Folgen der Immuntherapie lebensbedrohlich.
Anfangs wirkte die Diagnose für Katharina Hofmann weniger bedrohlich.
Katharina Hofmann fühlt sich in ihrem Wohnort sehr gut versorgt.
Katharina Hofmann hat ihr soziales Umfeld bewusst neugestaltet.
Katharina Hofmanns Ehe ging infolge der Krebserkrankung zu Bruch.
Katharina Hofmann hat gelernt, ihre Familie in ihre Krankheit einzubeziehen.
Katharina Hofmann hat ihre Anschlussheilbehandlung in schlechter Erinnerung.
Katharina Hofmann geht es emotional besser als körperlich und sie ist dafür sehr dankbar.
