Die Erfahrungen von Laura Ullrich

Portrait Laura Ullrich ist zum Zeitpunkt des Interviews 34 Jahre alt. Sie ist verheiratet und wohnt gemeinsam mit ihrem Partner. Laura Ullrich arbeitet zu 80 Prozent in einer Führungsposition und ist nebenbei selbstständig im Bereich des Coachings tätig. Im Herbst 2023 wurde ihr ein Muttermal entfernt, dass als malignes Melanom diagnostiziert wurde. Es war auch bereits ein Lymphknoten befallen. Eine erste gezielte Immuntherapie musste aufgrund starker Nebenwirkungen abgebrochen werden. Es wurden daraufhin Metastasen in Leber und Bauchraum gefunden, eine neue gezielte Immuntherapie folgte. Auch diese wurde wegen Nebenwirkungen abgebrochen. Nach einer dritten modernen Immuntherapie in Kombination mit einer TACE-OP galt Laura Ullrich im November 2024 als tumorfrei. Ihr Körper war durch die Krankheitsfolgen stark beansprucht. Zum Zeitpunkt des Interviews hat Laura Ullrich die Bewegung wieder in ihren Alltag eingebaut und an ihr Befinden angepasst. Sie setzt sich verstärkt mit dem Thema Resilienz auseinander und hat sich neue Grenzen gesetzt. Bei der emotionalen Verarbeitung der Erkrankung und ihrer Folgen hilft ihr eine Therapie sowie Malen und Schreiben. Ihr soziales Umfeld ist zudem eine große Stütze für Laura Ullrich.

Laura Ullrich war regelmäßig zur Kontrolle beim Hautkrebsscreening, da sie schon immer viele Muttermale hatte. Im Oktober 2023 begann ein großes Muttermal am Gesäß zu bluten, sodass sie außerhalb des Screenings ihren Hautarzt aufsuchte. Dieser schnitt das Muttermal heraus, das sich als malignes Melanom herausstellte und verwies sie weiter ins Universitätsklinikum. Laura Ullrich sagt, dass sie das Risiko des Tumors zum Zeitpunkt der Diagnose noch nicht erfassen konnte. Ihr war nicht bewusst, dass dieser Krebs tödlich sein kann, weshalb es ihr emotional noch gut ging. In der Klinik wurde ein Nachschnitt gemacht, bei dem relativ viel Haut weggeschnitten wurde. Laura Ullrich wollte zunächst die Ergebnisse abwarten und sich nicht schon vorher allzu viele Gedanken machen. Es wurde festgestellt, dass bereits ein Lymphknoten befallen war. Damit wurde Laura Ullrich in das Stadium IIIC eingestuft und es startete eine gezielte Immuntherapie im Rahmen einer klinischen Studie.

Laura Ullrich hatte starke Nebenwirkungen wie beispielsweise eine Herzmuskelentzündung, aufgrund derer sie regelmäßig ins Krankenhaus musste und die Immuntherapie abgebrochen wurde. Sie und ihr Partner renovierten zu diesem Zeitpunkt, Anfang 2024, ein Haus und sie arbeitete weiter, so gut es ihr Zustand zuließ. Laura Ullrich sagt, dass es ihr unter diesen Umständen insbesondere ab April 2024 emotional zunehmend schlechter ging und sie in ein Burnout rutschte. Ihr wurde bewusst, dass sie auf die Bremse treten musste. Familie, Freund*innen und ihr Partner waren Laura Ullrich immer eine große Unterstützung. Zudem lernte Laura Ullrich, die polyamor lebt, Anfang 2024 einen neuen Partner kennen. Mit diesem ist sie zum Zeitpunkt des Interviews nicht mehr zusammen. Er konnte jedoch emotional Vieles auffangen. Insbesondere die Angst wurde für Laura Ullrich präsenter, als Metastasen in der Leber und im Bauchraum gefunden wurden und sie ins Stadium IV kam. Es konnte erst Anfang Juli 2024 eine neue Immuntherapie starten, da sie zunächst die Einnahme von Kortison beenden musste, die aufgrund der Nebenwirkungen erfolgte. 

Erneut bekam Laura Ullrich Nebenwirkungen. Sie sagt, dass sie starke Kopfschmerzen hatte und dachte, sie hätte einen Schlaganfall. Sie wurde drei Wochen im Krankenhaus versorgt und musste erneut Kortison nehmen. Vor allem die vielen Venenzugänge, die ihr während des stationären Aufenthalts gelegt werden mussten, weil ihre Venen immer wieder durchbrachen, und die anhaltend starken Kopfschmerzen waren sehr schmerzhaft. Zusätzlich fühlte sie sich von den Ärzt*innen nicht ernstgenommen. Laura Ullrich beschreibt den Kontrollverlust als sehr belastend und realisierte später im Rahmen einer Psychotherapie, wie traumatisch die Erfahrungen für sie waren. Sie fiel beruflich mehrere Monate komplett aus und war im Anschluss an den Klinikaufenthalt privat auf umfassende Hilfe angewiesen. Ende August 2024 begann eine neue moderne Immuntherapie als Monotherapie. Es wurden kleinere Dosen in geringeren Abständen gegeben. Zusätzlich erfolgte eine TACE-OP (Transarterielle Chemoembolisation), ein minimalinvasives Verfahren, bei dem ein Chemotherapeutikum über die Blutgefäße gezielt in einen Tumor eingebracht und gleichzeitig die Blutzufuhr zum Tumor blockiert wird. Diese Kombination der Behandlung führte dazu, dass Laura Ullrich im November 2024 tumorfrei war.

Laura Ullrich geht es zum Zeitpunkt des Interviews körperlich deutlich besser. Sie hat ein Fitnessstudio gefunden, in dem sie sich sehr wohlfühlt und trainiert angepasst an ihre körperliche Leistungsfähigkeit und ohne Druck. Sie hat Spaß an der Bewegung und fühlt sich wohl in ihrem Körper. Dennoch sind die Narben eine stetige Erinnerung an den Weg, den sie hinter sich hat. Sie sagt, dass sie emotional Vieles lange verdrängt hat. Im Laufe der Erkrankung hat Laura Ullrich daher eine Psychotherapie begonnen. Wenn die Bewältigungsarbeit auch anstrengend ist, tut sie ihr gut. Neben der Psychotherapie empfindet Laura Ullrich Malen sowie das Schreiben von Blogs als befreiend und hilfreich bei der Krankheitsverarbeitung. Sie ist weniger stressresistent als vor ihrer Erkrankung, nimmt dies aber auch zum Anlass, achtsamer mit sich selbst zu sein. Auch im Arbeitskontext lernt Laura Ullrich zunehmend, Grenzen zu setzen und auf sich selbst aufzupassen, zumal sie umfassend von ihrem Team unterstützt wurde. Der soziale Rückhalt überwältigte sie, weshalb sie Ende 2024 als Dankeschön ein kleines Weihnachtsfest für Familie und Freundeskreis veranstaltete. Dieses Beisammensein erfüllte Laura Ullrich sehr, ebenso wie die kleinen Momente im Alltag, wenn sie beispielsweise mit ihrer Katze auf dem Sofa liegt und sich ausruht.

Das Interview wurde im Juni 2025 geführt.


Alle Interviewausschnitte von Laura Ullrich

Laura Ullrich ist es sehr wichtig, dass ihre Erkrankung nicht nur fachlich betrachtet wird, sondern die Ärzt*innen auch private und emotionale Aspekte berücksichtigen.

Laura Ullrich wünscht sich mehr Entspannung hinsichtlich der vielen Arzttermine.

Laura Ullrichs Team hat sie umfangreich unterstützt und Aufgaben übernommen.

Laura Ullrich hatte mehrfach starke Reaktionen auf die Immuntherapie, die stationär behandelt werden mussten.

Laura Ullrich hat tolle Trainer*innen im Fitnessstudio, die ihr geholfen haben einen Trainingsplan für gute und einen für schlechtere Tage zu erstellen.

Laura Ullrich trinkt seit Auftritt von Metastasen in der Leber keinen Alkohol mehr, was auch ihr Partyleben und andere soziale Events für sie verändert hat.

Laura Ullrich ermutigt andere Betroffene, sich Unterstützung zu suchen.

Laura Ullrich erlebte einen Kontrollverlust im Krankenhaus, da ihr nicht richtig zugehört wurde.

Laura Ullrich erlebte einen umfassenden sozialen Rückhalt.

Laura Ullrich musste Grenzen gegenüber ihrer Mutter setzen.

Laura Ullrich erinnern die Narben an eine schwere Zeit.

Laura Ullrich hatte zwei TACE-Operationen.

Laura Ullrich hat es geholfen, über ihre Erkrankung zu schreiben.

Laura Ullrich beschrieb, dass sie nach einem Krankenhausaufenthalt auf umfassende Hilfe von Familie und Freund*innen angewiesen war.

Laura Ullrich erzählte Vieles von sich aus, um ihren Mitmenschen den Umgang zu erleichtern.

Laura Ullrich wurde aufgrund zahlreicher Metastasen ins Endstadium eingestuft.

Laura Ullrich genießt es, sich beim Malen mit anderen erkrankten nebenbei ungezwungen auszutauschen.