Äußere Therapieformen
Äußere Therapieformen
Unter äußeren Therapien fassen wir alle medizinische Behandlungsformen auf, die lokal angewendet werde, z. B. Cremes oder Bestrahlung. Unsere Interviewpartner*innen erzählten in diesem Kontext von Strahlentherapie, Photodynamischer Therapie, Kryotherapie, Hyperthermie und von der Anwendung verschiedener Salben. Nicht alle diese Therapien werden regelhaft von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, da ihre Wirksamkeit nicht oder noch nicht in ausreichendem Maße erwiesen ist. Dazu gehören die Photodynamische Therapie und die Hyperthermie, deren Kosten nur bedingt über Sonderverträge der Praxen mit Krankenkassen oder in Einzelfällen bei schweren Verläufen übernommen werden. Trotzdem haben manche unserer Interviewpartner*innen sich dazu entschlossen, die Therapien durchzuführen und selbst zu bezahlen. Gründe hierfür waren unter anderem die Hoffnung auf eine schnellere Heilung, die positive Erfahrung mit der Behandlung bei anderen Betroffenen oder der Wunsch nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten, wenn herkömmliche Therapien nicht den gewünschten Erfolg brachten. Die Kryotherapie wird heute kaum noch angewandt, da moderne Therapien wie die PDT ihr vorgezogen werden.
Photodynamische Therapie (PDT)
Die Photodynamische Therapie, die üblicherweise PDT genannt wird, ist eine schonende Therapiemöglichkeit von oberflächlichen Hauttumoren mit einer Eindringtiefe von bis zu 3mm. Sie wird besonders häufig bei aktinischen Keratosen, auch „Lichtwarzen“ genannt, eingesetzt. Zunächst wird ein Lichtsensibilisator in Form einer Salbe auf die betroffene Stelle aufgetragen und lichtdicht abgedeckt. Die Salbe muss anschließend rund drei Stunden einwirken. Durch eine UV-Lampe wird danach festgestellt, ob der Bereich im Schwarzlicht aufleuchtet. Wenn das der Fall ist, wurde die Salbe gut in den kranken Zellen aufgenommen und sie können anschließend mit Rotlicht bestrahlt und bekämpft werden.
Viele der Interviewpartner*innen mit Plattenepithelkarzinomen oder Basaliomen haben eine PDT erhalten. Sie beschrieben uns dabei nicht nur den Ablauf und die äußeren Rahmenbedingungen, sondern vor allem ihre Empfindungen während und nach der Behandlung. Sie berichten davon, wie die behandelten Hautstellen juckten oder brannten. Die behandelten Stellen waren zum Teil als Wunden sichtbar. Einige erzählten, wie sie sich in dieser Zeit vorübergehend zurückgezogen haben und sich wegen der Hautstellen schämten. Die meisten schilderten, dass ihnen familiäre und psychologische Unterstützung in diesen Zeiten half. Die PDT ist darüber hinaus keine Regelleistung der GKV, sodass unsere Interviewpartner*innen die Kosten selbst übernahmen, weil sie Hoffnung auf eine schnellere Heilung hatten. Einzelne Interviewpartner*innen entschieden sich aufgrund der Kosten mit der Zeit gegen die Photodynamische Therapie, weil ihnen die Effekte nicht ausreichten.
Für Jasmin Naumann war die PDT eine alltägliche Erinnerung an ihre Gorlin-Goltz-Erkrankung.
Christa Riedel beschreibt den Tagesablauf in der Praxis, wenn sie ihre PDT erhält.
Nach der PDT pflegt Christa Riedel die betroffenen Stellen umfassend.
Hyperthermie
Hyperthermie bezeichnet die gezielte Erwärmung von Haut- oder Tumorgewebe zur Behandlung von Hautkrebs. Sie wird vor allem bei oberflächlichen Hauttumoren oder in Kombination mit anderen Therapien ergänzend eingesetzt und ist demnach keine Standardtherapie, weshalb sie in den Leitlinien als optional/experimentell geführt wird. Durch die kontrollierte Hitze werden die Tumorzellen geschädigt oder abgetötet, während gesundes Gewebe weitgehend geschont bleibt. Die Wärme kann lokal mit speziellen Geräten auf die betroffene Hautstelle gebracht werden. Eine Interviewpartnerin hat Erfahrungen mit Hyperthermie gemacht.
Ute Pfeifer beschreibt, wie die Hyperthermie bei ihr angewendet wird.
Kryotherapie
Kryotherapie bezeichnet den gezielten Einsatz von Kälte zur Behandlung von Hautkrebs, auch als „Vereisung der Haut“ bekannt. Sie wird vor allem bei oberflächlichen Hauttumoren wie aktinischen Keratosen oder oberflächlichen Basaliomen angewendet. Dabei kommt meist flüssiger Stickstoff mit einer Temperatur von –196 °C zum Einsatz. Kleine Hautareale werden direkt mit einem Tupfer behandelt, größere Stellen mithilfe einer Sprayflasche. Die extreme Kälte führt zum Absterben der Tumorzellen und damit zu einer gezielten Zerstörung des betroffenen Gewebes. Zwei unserer Befragten haben sich für eine Kryotherapie entschieden, weil ihre Ärzt*innen ihnen diese empfohlen. Die Kryotherapie ist aufgrund moderner Verfahrungen wie der PDT heute nicht mehr die erste Behandlungswahl.
Jürgen Glaser ist mit der letzten Kältebehandlung nicht zufrieden.
Lokale Cremes
Lokale Cremes sind Medikamente, die direkt auf die Haut aufgetragen werden, um oberflächliche Hauttumoren oder Vorstufen wie aktinische Keratosen zu behandeln. Sie wirken lokal auf die betroffenen Zellen, ohne den ganzen Körper zu belasten. Je nach Wirkstoff können sie das Wachstum der Tumorzellen hemmen, das Immunsystem aktivieren oder die Zellen gezielt zerstören. Die Behandlung dauert meist mehrere Wochen, während die Creme regelmäßig auf die betroffenen Stellen aufgetragen wird. Wenige Interviewpartner*innen mit weißem Hautkrebs erwähnten punktuell Cremes, die ihnen verschrieben wurden oder die sie ergänzend zur Hautpflege nutzten. Eine Interviewpartnerin schilderte ihre Erfahrungen mit einer Imiquimod-Creme.
Strahlentherapie
Wenige unserer Interviewpartner*innen wurden mit einer Bestrahlung behandelt. Bei dieser Methode werden gezielt ionisierende Strahlen eingesetzt, um Tumorzellen in der Haut zu zerstören. In der Praxis wird eine Strahlentherapie vor allem bei Basalzellkarzinomen und Plattenepithelkarzinomen angewendet, insbesondere wenn der Tumor an schwer zugänglichen Stellen oder in fortgeschrittenen Stadien auftritt. Beim Melanom wird sie weniger häufig in speziellen Fällen eingesetzt. Einige Interviewpartner*innen mit malignem Melanom erzählten von einer Strahlentherapie, ebenso ein Interviewpartner mit Plattenepithelkarzinom. Sie schilderten, dass diese eingesetzt wurde, weil eine Operation nicht möglich war oder Tumorreste nach einer Operation behandelt wurden. Manche Interviewpartner*innen berichteten uns von Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Hautreizung, andere merkten kaum etwas.
Bernd Ziegler war von der Bestrahlung sehr müde.
Heike Sommer hat sich wegen der Anonymität bei der Bestrahlung nicht wohlgefühlt.
Für Kai Fritz war die Bestrahlung anstrengend.
Für Kerstin Moser bedeutete die Bestrahlung eine große Chance.
