Operation und Folgen
Alle Interviewpartner*innen berichteten von operativen Eingriffen im Rahmen ihrer Hautkrebserkrankung. Die Erfahrungen damit waren sehr unterschiedlich und hingen stark von der Art des Hautkrebses ab. Viele Erzähler*innen mit weißen Hautkrebsformen wie dem Basalzellkarzinom oder Plattenepithelkarzinom, die meist oberflächlich wachsen, erzählten von unkomplizierten, kurzen Eingriffen in ihrer hautärztlichen Praxis. Dabei musste meistens nur wenig Gewebe entfernt werden und die Interviewpartner*innen konnten anschließend am selben Tag wieder nach Hause. Vereinzelt kam es auch zu aufwändigeren Eingriffen, auch abhängig von der Körperstelle.
Matthias Krämers Hautärztin war sehr sorgfältig.
Bernd Ziegler hat ambulante und stationäre Eingriffe erlebt.
Andere Betroffene mit einem malignen Melanom (schwarzer Hautkrebs) berichteten über zeitaufwändige, komplexe Eingriffe im Krankenhaus, bei denen die Wunde beispielsweise mit einer Hauttransplantation geschlossen werden musste. Bei vielen unserer Interviewpartner*innen mit einem malignen Melanom waren Nachoperationen (Nachschnitte) notwendig. Diese dienten dazu, sicherzustellen, dass der Tumor vollständig entfernt wurde, da sich Krebszellen manchmal außerhalb des ursprünglich sichtbaren Tumorbereichs befinden können.
Bei einigen wurden zudem Wächterlymphknoten entfernt. Der Wächterlymphknoten ist der erste Lymphknoten, der den Abfluss des Lymphsystems aus dem Tumorgebiet empfängt. Die Untersuchung dieses Knotens gibt Ärzt*innen wichtige Hinweise darauf, ob sich Krebszellen bereits über das Lymphsystem im Körper verbreitet haben. Bei einigen Betroffenen mussten zudem Metastasen entfernt werden – das sind Tochtergeschwülste, in denen Krebszellen bereits andere Körperregionen erreicht haben.
Martina Wenzel wurde für den Nachschnitt an eine Fachklinik verwiesen.
Susanne Huber fühlte sich gut betreut trotz schwieriger Operation.
Stefan Richter erlebte im Krankenhaus kritische Momente.
Durch Bettina Wetzels Eigeninitiative zur OP konnte ein bösartiger Lymphknoten entfernt werden.
Die Wahrnehmung der Notwendigkeit der Operation war individuell sehr unterschiedlich. Manche Interviewpartner*innen verstanden sofort, warum der Eingriff nötig war, während andere unsicher waren, ob die Operation zwingend erforderlich oder eher vorsorglich durchgeführt wurde. Ein zentraler Faktor für die medizinische Entscheidung war die histologische Eindringtiefe des Tumors – also wie tief die Krebszellen in die Haut eingedrungen sind. Diese Messgröße gibt Ärzt*innen Hinweise darauf, wie hoch das Risiko einer Ausbreitung des Tumors ist.
Auch der Zeitpunkt der Operationen variierte stark. Während einige sehr zeitnah nach der Diagnosestellung operiert wurden, berichteten andere von längeren Wartezeiten. Viele erinnerten sich an Angst vor der Operation und vor dem anschließenden Befund. Abhängig davon, wie die Interviewpartner*innen sich betreut und aufgeklärt wurden, gestaltete sich auch ihr Empfinden der Operation. Wer vorab klare Informationen erhielt, Fragen stellen konnte und sich gut begleitet fühlte, empfand den Eingriff oft als weniger belastend.
Kai Fritz empfand die Operation als unkompliziert.
Josef Ludwig hat sich durch eine Pflegefachperson gut auf die OP vorbereitet gefühlt.
Sebastian Mertens ist froh, dass er die OP trotz Zweifel gemacht hat.
Manche der Operationen waren für unsere Interviewpartner*innen mit langer Heilungszeit, Schmerzen und nachhaltigen körperlichen Folgen verbunden. Teilweise musste ein größerer Hautbereich entfernt werden, und insbesondere bei der Entfernung von Metastasen waren auch andere Organe von den Eingriffen betroffen. Einige berichteten von juckenden Narben, reduzierter Beweglichkeit und Einschränkungen im Alltag.
Die Eingriffe und ihre Folgen wurden von einigen Interviewpartner*innen mit erheblichen körperlichen und emotionalen Belastungen verbunden. Besonders hilfreich, so erzählten die Interviewpartner*innen, erwiesen sich eine gute medizinische Aufklärung und Nachsorge sowie die Unterstützung durch Angehörige oder nahestehende Personen. Darüber hinaus berichteten einige Betroffene, dass der Austausch mit anderen Erkrankten, Geduld mit dem eigenen Körper und das schrittweise Anpassen des Alltags dazu beitrugen, die körperlichen und emotionalen Folgen der Operationen besser zu bewältigen und wieder mehr Sicherheit im Alltag zu gewinnen.
Angelika Schülers Mann kommunizierte nach der OP über eine „Zaubertafel“ mit ihr.
Thomas Kellner war froh, dass seine Wunde im Home Office gut verheilen konnte.
Peter Seifert war verwundert, dass er keine Schmerzen hatte.
Mit zunehmender Anzahl der Operationen, beispielsweise bei Betroffenen von Gorlin-Goltz und wiederkehrenden Tumoren, stieß die klassische chirurgische Methode an ihre Grenzen: Bei manchen war es nicht mehr möglich, weitere Haut zu entfernen, sodass andere Behandlungsstrategien notwendig wurden. Die Menge der Operationen war für einige Betroffene anstrengend, während andere es irgendwann als Routine empfunden. Komplementärmedizinische, psychologische und familiäre Unterstützung half vielen Interviewpartner*innen bei der Bewältigung.
Christa Riedel hatte jahrelang mehrere Operationen pro Jahr.
