Rehabilitative und psychologische Unterstützung
Unsere Interviewpartner*innen erzählten, dass sie abhängig von ihrer Hautkrebserkrankung und individuellen Situation neben der medizinischen Behandlung auch Rehabilitationsmaßnahmen und psychologische Unterstützung in Anspruch nahmen. Die meisten fanden in dieser Unterstützung auch eine Möglichkeit, ihre Krankheit zu bewältigen, andere nahmen keine rehabilitative und psychologische Hilfe in Anspruch, weil sie keinen Bedarf sahen oder es nicht in ihren Alltag integrieren konnten.
Viele wurden durch Empfehlungen von Sozialarbeiter*innen in den Kliniken, durch Ärzt*innen, Pflegepersonal oder durch eigene Recherchen auf Unterstützungsmaßnamen aufmerksam und beschrieben, dass sie die Termine und Maßnahmen aktiv selbst organisierten, etwa durch Abstimmung mit dem behandelnden Zentrum oder mit Hilfe von Familie und Freund*innen.
Insbesondere Interviewpartner*innen mit schweren körperlichen Einschränkungen infolge der Behandlungen schilderten uns, dass sie rehabilitative Maßnahmen in Anspruch nahmen. So haben beispielsweise einige Personen mit malignem Melanom, Plattenepithelkarzinom oder Basaliom, deren Tumor großflächig entfernt wurde, eine Anschlussheilbehandlung (AHB) beantragt, eine Rehabilitationsmaßname im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt. Hierbei wechselten die Interviewpartner*innen zeitnah nach der Akutbehandlung in eine Reha-Einrichtung, um sich dort gezielt zu erholen und zu stabilisieren.
Auch die körperlichen Folgen der systemischen Therapieformen veranlassten viele Interviewpartner*innen mit malignen Melanomen zur Nutzung rehabilitativer Maßnahmen. Einige berichteten von einer stationären Reha. Bei dieser nutzten sie verschiedene Maßnahmen, um ihren Alltag und das Berufsleben später so gut wie möglich ohne Schmerzen, Erschöpfung und Bewegungseinschränkungen bewältigen zu können.
Neben körperlichen Übungen in der Physiotherapie waren Angebote wie Maltherapie oder psychologische Gespräche in den Erzählungen unserer Interviewpartner*innen präsent. Einige erzählten davon, wie sie ihre körperliche Belastbarkeit Schritt für Schritt steigerten, indem sie beispielsweise mit leichten Übungen begannen, die Intensität langsam erhöhten und an ihre individuellen Grenzen anpassten. So erlebten viele Physiotherapie als hilfreich, körperliche Funktionen und Beweglichkeit wieder aufzubauen oder zu stabilisieren.
Maltherapie oder andere kreative Angebote boten ihnen die Möglichkeit, Gefühle auszudrücken und Stress abzubauen. Psychologische Gespräche unterstützten unsere Interviewpartner*innen darin, belastende Gedanken zu verarbeiten und Strategien für den Umgang mit der Krankheit zu entwickeln. Für einige Interviewpartner*innen stand in der Rehabilitation auch grundsätzlich die körperliche und mentale Erholung im Vordergrund. Sie beschrieben, dass sie weg von zuhause den Fokus auf sich selbst und ihre Gesundheit legen konnten. So genossen sie den Aufenthalt als „Auszeit“ und sahen dies als Chance, um wieder zu Kräften zu kommen.
Mehr Informationen zum Thema Reha finden Sie hier.
Für Josef Ludwig war die Reha eine erholsame Auszeit.
Kai Fritz tat der Austausch mit anderen in der Reha sehr gut.
Martina Wenzel half die Reha, wieder zu Kräften zu kommen.
Susanne Huber ist froh, dass sie sich von ihrem Mann zur Reha überzeugen lassen hat.
Neben körperlicher Erholung spielte die therapeutische und psychosoziale Begleitung für viele eine zentrale Rolle. Die Interviewpartner*innen beschrieben, wie der Austausch mit anderen Betroffenen ihnen half. Auch, wenn einige schilderten, dass ihre Reha-Einrichtungen nicht auf Hautkrebs spezialisiert waren, schätzten sie, dass die Ärzt*innen und Therapeut*innen im Rahmen einer Rehabilitationsmaßnahme oder Anschlussheilbehandlung meist individueller auf die Patient*innen eingingen. Die meisten fühlten sich dadurch bestärkt und motiviert, an den unterschiedlichen Angeboten teilzunehmen.
Elke Gruber fand den Austausch mit anderen in der Reha positiv.
Daniela Steffens schätzte die vielfältigen Angebote in der Reha.
Ute Pfeifer hat sich von ihrem Arzt und ihrem Physiotherapeuten in der Reha sehr gestärkt gefühlt.
Neben den punktuellen psychologischen Unterstützungsangeboten während der Reha suchten vor allem unsere Interviewpartner*innen mit malignem Melanom zusätzlich professionelle Hilfe, um mit Angst, Unsicherheit und den emotionalen Belastungen der Erkrankung umzugehen. Dabei nutzten sie verschiedene Angebote, etwas psychoonkologische Betreuung über den psychologischen Konsildienst in Kliniken, niedergelassene Psychotherapeut*innen z. T. mit Zusatzausbildung in Psychoonkologie oder die ambulanten psychosozialen Krebsberatungsstellen. Diese Unterstützung half ihnen, ihr Selbstvertrauen zu stärken und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Für manche Interviewpartner*innen war die psychologische Begleitung in der Akutphase eine große Entlastung. Andere schilderten, dass sie anfangs eine psychologische Unterstützung ablehnten, aber sich später im Verlauf der Krankheit Hilfe suchten.
Jennifer Zimmer tat es gut, dass sie im Krankenhaus immer eine Psychologin an der Seite hatte.
Nicole Hansen hat sich durch ihre Psychoonkologin sehr unterstützt gefühlt.
Einige beschrieben die kontinuierliche psychologische oder psychotherapeutische Begleitung als zentralen Bestandteil ihrer Krankheitsbewältigung sowie nutzen diese auch über die Krankheit hinaus. Insbesondere die Themen, mit denen sie ihre Familie nicht belasten wollten, besprachen sie im Rahmen der Psychotherapie. Andere Interviewpartner*innen berichteten uns wiederum, dass sie sich durch die Psychotherapie gut mit „Werkzeugen“ ausgestattet fühlten und die Begleitung daher mit gutem Gefühl beenden konnten.
Gleichzeitig berichteten einige Interviewpartner*innen, dass sie weniger Nutzen aus psychologischer Unterstützung ziehen konnten oder dass bestimmte Formate nicht zu ihren individuellen Bedürfnissen passten. Einige haben einmal oder ein paar Mal psychoonkologische Sitzungen in Anspruch genommen, aber daraufhin für sich entschieden, dass es nicht der richtige Weg für sie war.
Dirk Winter hat kurzzeitig eine digitale psychoonkologische Betreuung genutzt.
