Berufliche Auswirkungen und Rente

Einige Interviewpartner*innen waren bereits in Rente, als sie die Diagnose Hautkrebs erhalten haben. Andere waren zu dem Zeitpunkt der Diagnose berufstätig. Inwiefern die Diagnose und ihre Folgen einen Einfluss auf ihre Arbeitsfähigkeit hatten, hing von Art, Stadium und Therapie ab. Manche Interviewpartner*innen erzählten, dass sie beruflich kaum eingeschränkt waren und nach der Entfernung des Tumors ihre Tätigkeit wieder aufnahmen.

Vor allem die erwerbstätigen Interviewpartner*innen mit schwarzem Hautkrebs durchliefen jedoch aufgrund von Metastasen umfangreiche Anschluss- und Folgetherapien und waren infolgedessen sowohl im Alltag als auch im Berufsleben deutlich eingeschränkt. Neben körperlichen Nebenwirkungen beschrieben sie auch eine reduzierte Belastbarkeit und eingeschränkte Leistungsfähigkeit, was eine Fortführung der bisherigen beruflichen Tätigkeit erschwerte (siehe auch "Auswirkungen im Alltag").

Einige Interviewpartner*innen berichteten, dass sie vor dem regulären Renteneintrittsalter eine Erwerbsminderungsrente in Anspruch nahmen. Einzelne Interviewpartner*innen erzählten von Herausforderungen und Schwierigkeiten mit Arbeitgeber*innen und Behörden.

Jürgen Glaser konnte während der Therapie seiner Basaliome weiterarbeiten.

Angelika Schüler hatte schlechte Erfahrungen mit dem Arbeitsamt und ihrem Arbeitgeber.

Monika Bender wurde von ihren Kolleg*innen gut unterstützt, bemerkte jedoch, dass ihr Leistungsvermögen nachließ.

Im Umgang mit der Erkrankung spielte auch das berufliche Umfeld eine Rolle. Mehrere Interviewpartner*innen schilderten, dass sie von Kolleg*innen und Vorgesetzten Verständnis und Unterstützung erfuhren, etwa durch flexible Arbeitszeiten, die Möglichkeit zum Homeoffice oder eine Rücksichtnahme bei der Arbeitsverteilung.

Laura Ullrichs Team hat sie umfangreich unterstützt und Aufgaben übernommen.

Stefan Richter hat die Diagnose bei der Arbeit offen kommuniziert und viel Unterstützung erhalten.

Josef Ludwigs Arbeitgeber gab ihm sehr viele Freiheiten.

Dirk Winter geht bei der Arbeit humorvoll und offen mit dem Hautkrebs um.

In einzelnen Fällen wurde die medizinische Behandlung bewusst an berufliche Rahmenbedingungen angepasst: Manche Interviewpartner*innen berichteten, dass sie ihre Therapien auf arbeitsfreie Zeiten legen konnten. Eine Lehrerin mit Gorlin-Goltz nutzte beispielsweise die Schulferien für ihre Behandlung. Diese Abstimmungen wurden von den Betroffenen als entlastend beschrieben und erleichterte es ihnen, weiterhin beruflich eingebunden zu bleiben.

Christa Riedel war Lehrerin und machte die photodynamische Therapie immer in den Sommerferien.

Viele Interviewpartner*innen beschrieben, dass sie zur Unterstützung der Rückkehr in den Beruf rehabilitative Maßnahmen in Anspruch nahmen. Teilweise erfolgte der Wiedereinstieg schrittweise im Rahmen einer stufenweisen Wiedereingliederung. Einige Interviewpartner*innen schilderten darüber hinaus, dass sie ihre berufliche Tätigkeit an die veränderte gesundheitliche Situation anpassten. Dazu zählten unter anderem die Reduktion der Arbeitszeit, die Abgabe einer Führungsposition oder ein Wechsel in eine selbstständige Tätigkeit, um flexibler auf krankheitsbedingte Einschränkungen reagieren zu können. Viele beschrieben, dass sie im beruflichen Alltag insgesamt sensibler für die eigenen Belastungsgrenzen wurden und diese deutlicher gegenüber ihrem Umfeld vertraten.

Thomas Kellner achtete beim Arbeiten auf seine Grenzen und machte regelmäßig Pausen.

Für Claudia Jansen war die Reha eine hilfreiche Auszeit von der Arbeit.

Manche Interviewpartner*innen schilderten, dass ihnen die Berentung oder auch die Reduktion von Stunden schwergefallen ist. Einige beschrieben, dass ihr Beruf ihnen sehr wichtig war und dabei half, sich von der Krankheit abzulenken. So berichteten sie, dass die Arbeit einerseits als Bewältigung diente, andererseits aber auch zusätzlichen Stress verursachte. Vereinzelt erzählten Interviewpartner*innen, dass ihre Erkrankung ihre Arbeitsverhalten auch insofern veränderte, dass sie achtsamer mit ihrem Körper wurden und sich gesundheitsbewusster verhielten. Dazu gehörte z. B. mehr Vorsicht im Kontext von Arbeitssicherheit und -schutz.

Sebastian Mertens versucht, die Strahlenbelastung bei der Arbeit zu reduzieren.

Matthias Krämer achtete bei der Arbeit verstärkt auf Sicherheitsmaßnahmen.