Körperbild und Narben

Unsere Interviewpartner*innen berichteten, wie stark die Erkrankung ihr Körperbild und die Wahrnehmung körperlicher Veränderungen beeinflusste. Viele erzählten, dass sie zunächst das Vertrauen in ihren Körper verloren, wobei besonders Narben eine zentrale, aber sehr individuelle Rolle spielten (siehe auch "Intimität und Partnerschaft". Einige empfanden sie unmittelbar nach Operationen als belastend, insbesondere wenn die Wunden frisch und sichtbar waren und die Reaktionen anderer Menschen sie verunsicherten. Manche Interviewpartner*innen fühlten sich wiederum durch Reaktionen anderer Menschen gestärkt.

Bei Thomas Kellner war das Misstrauen in den eigenen Körper nach der Diagnose hoch.

Für Susanne Hoppe waren die Narben im Gesicht vor allem sozial eine Herausforderung.

Eine Begegnung mit einem kleinen Jungen im Schwimmbad hat Josef Ludwig sehr gutgetan.

Der Heilungsverlauf sowie die Wahrnehmung der Sichtbarkeit von Narben unterschieden sich deutlich nach Hautkrebsform und Lokalisation des Tumors, aber auch nach Alter. Insbesondere Interviewpartner*innen mit malignem Melanom betonten, dass für sie zunächst das Überleben und der Behandlungserfolg im Vordergrund standen. Ästhetische Aspekte traten bei ihnen demgegenüber häufig in den Hintergrund, wenngleich die Narben für viele zugleich eine bleibende Erinnerung an eine belastende Lebensphase darstellten.

Laura Ullrich erinnern die Narben an eine schwere Zeit.

Für Wolfgang Berg sind die Narben zweitrangig – entscheidend ist, dass sein Leben weitergeht.

Andreas Engels stören die Narben im Alter nicht mehr.

Mit der Zeit erzählten viele, dass sich ihr Umgang mit den sichtbaren Spuren veränderte: Narben verblassten und körperliche Veränderungen verloren an Bedeutung, und die Wahrnehmung unterschiedlicher Körperstellen fiel individuell unterschiedlich aus. Einige Interviewpartner*innen berichteten, dass sie sich bemühten, weiterhin aktiv am sozialen Leben teilzunehmen, während andere sich zeitweise zurückzogen. Viele beschrieben, dass kosmetische Strategien – etwa zur Kaschierung oder zur Unterstützung des eigenen Wohlbefindens – hilfreich waren. Gleichzeitig berichteten sie, dass Narben neue Anforderungen an den Alltag stellten, etwa im Hinblick auf Sonnenschutz und Hautpflege.

Angelika Schüler hat ihre Narbe lange durch einen Schal versteckt.

Christa Riedel hat sich nach einer Operation wegen der großen Wunde viele Wochen versteckt.

Daniela Steffens hat verschiedene Tipps im Umgang mit ihren Narben erhalten, u. a. in einem Schminkkurs.

Sebastian Mertens achtet darauf, dass er seine Narbe besonders vor der Sonne schützt.

Insgesamt schilderten die Interviewpartner*innen, dass ihr Körperbild ein dynamischer Prozess sei, geprägt von den medizinischen Erfahrungen und ihrem individuellen Umgang mit den Veränderungen. Viele berichteten, dass sie durch die Erkrankung achtsamer mit ihrem Körper umgingen und ihre Haut intensiver beobachteten, wodurch sich ein neues, selbstbestimmtes Verhältnis zu ihrem Körper entwickelte.

Peter Seifert schaut seit der Hautkrebsdiagnose aufmerksamer auf seinen Körper.

Kai Fritz geht sensibler mit seinem Körper um.

Darüber hinaus schilderten viele Interviewpartner*innen, dass sie sich abgesehen von den Narben durch die Krankheit, die Therapien und deren Nebenwirkungen zeitweise nicht mehr wohl in ihrem Körper fühlten. Veränderungen wie Gewichtszunahme durch Kortison, Haarausfall, Müdigkeit oder andere körperliche Begleiterscheinungen wirkten sich teils stark auf ihr Selbstbild aus und führten dazu, dass sie sich unsicherer oder weniger attraktiv fühlten.

Katharina Hofmann beschrieb ihr stark verändertes Erscheinungsbild infolge der Krankheit und ihrer Therapien.

Monika Bender haben im Körperbild eher die Kortison-Nebenwirkungen als die Narben gestört.

Für Stefan Richter waren die körperlichen Veränderungen infolge der Kortison-Einnahme schwierig.

Jasmin Naumann hatte jahrelang Probleme damit, dass ihr durch Gorlin Goltz viele Zähne fehlen.

Viele Interviewpartner*innen beschrieben innere Konflikte in Hinblick auf Selbst- und Fremdwahrnehmung. So machten sie sich Gedanken, wie andere Menschen sie bewerteten. Manchen viel es schwer, aufbauende Worte von Partner*innen, Familie oder Freund*innen anzunehmen.

Elke Gruber fühlte sich in ihrem Körper infolge der Krankheit und der Therapien nicht mehr wohl.

Jennifer Zimmer machte sich viele Gedanken über die Unterschiede zwischen ihrem Körperbild und den Wahrnehmungen anderer Menschen.

Als hilfreich beschrieben die Interviewpartner*innen verschiedene Strategien, um ihr Wohlbefinden und Körpergefühl zu stabilisieren. Dazu gehörten aktive Bewegung und Sport, um Kraft und Selbstbewusstsein zu stärken, bewusste Kleidungsauswahl, um sich wohler zu fühlen, sowie der Austausch mit Partner*innen, Familie oder Freund*innen, was emotionale Unterstützung bot. Einige berichteten zudem, dass psychologische Beratung oder Selbsthilfegruppen ihnen halfen, ihr Selbstbild wieder positiver wahrzunehmen und sich im eigenen Körper wieder wohler zu fühlen.