Umgang mit Sonne

Unabhängig von der Hautkrebsform erzählten die meisten Interviewpartner*innen, dass sie in ihrer Kindheit und Jugend häufig der Sonne ausgesetzt waren. Sonnenschutz geriet erst Ende des 20. Jahrhunderts verstärkt in den Fokus, sodass sich vor allem die Interviewpartner*innen, die zum Zeitpunkt des Interviews älter als 40 Jahre waren, an viele vergangene Sonnenbrände erinnern. Manche waren häufig campen, baden und mit dem Fahrrad unterwegs. Andere berichteten davon, dass sie zeitweise in sonnigen Regionen gelebt haben oder ihren Eltern draußen auf dem Feld geholfen haben und dadurch vermehrt der Sonne ausgesetzt waren. Im Nachhinein beschrieben einige ihr Verhalten als unvernünftig, während manche betonten, dass generell lange nicht auf Sonnenschutz geachtet wurde und die Folgen nicht bewusst waren.

Hans Thiele hat durch FKK-Campen seinen gesamten Körper regelmäßig starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt.

Wolfgang Berg berichtete, wie anders die Einstellung zur Sonnenexposition in der 60er-Jahren noch war.

Susanne Hoppe erinnerte sich an zahlreiche schmerzhafte Sonnenbrände.

Solarium und Sonnenbaden waren für manche Interviewpartner*innen auch das Mittel, um einem Schönheitsideal von gebräunter Haut zu folgen. Sie bezeichneten sich zum Teil als Sonnenanbeter*innen, während andere aufgrund empfindlicher Haut und einem hellen Hauttyp schon immer die Sonne mieden.

Jasmin Naumann ging regelmäßig ins Solarium und nahm Sonnenschutz auch am Strand nicht so ernst.

Petra Zeller wollte in jungen Jahren braun werden und hat sich kaum Gedanken über potenzielle Folgen für ihre Haut gemacht.

Die meisten Interviewpartner*innen sahen die damalige Sonnenexposition als klare Ursache für die Entstehung des Hautkrebses. Manche betonten, dass die Haut sich „räche“ und sahen auch eine gewisse Schuld bei sich, erkrankt zu sein. Andere waren sehr überrascht von der Diagnose, weil ihnen die Risikofaktoren nicht bewusst waren oder sie generell keine „Sonnenmenschen“ waren. Diejenigen, die immer vorsichtig waren, sahen z. T. auch ihren Hauttyp als Ursache, die sie nicht beeinflussen konnten.

Bettina Wetzel sieht den Hautkrebs als klare Konsequenz für ihr früheres Verhalten.

Dirk Winter assoziierte seine „Jugendsünden“ mit der Hautkrebsdiagnose.

Thomas Kellner waren seine Risikofaktoren nicht direkt bewusst.

Nach der Hautkrebsdiagnose änderten fast alle Interviewpartner*innen ihr Verhalten gegenüber der Sonne. Sie erzählten, dass sie sich konsequent durch Sonnenschutzcreme, geeignete Kleidung, Sonnenbrille und Kopfbedeckung schützen, gezielt die Mittagssonne mieden oder sich im Schatten aufhielten. Einige vermieden die Sonne fast vollständig oder verzichteten auf längere Outdoor-Aktivitäten, um Rezidive zu vermeiden und die durch Therapien empfindlich gewordene Haut zu schützen.

Sebastian Mertens hat seinen Sonnenschutz nach der Diagnose intensiviert.

Susanne Huber informiert sich regelmäßig in ihrer Hautklinik hinsichtlich Sonnencreme.

Gisela Haase versucht, die Entstehung weiterer Hauttumoren zu vermeiden.

Elisabeth Krug meidet die Sonne fast vollständig.

Die Vorsichtsmaßnahmen zum Sonnenschutz gingen für einige Interviewpartner*innen mit Einschränkungen der Lebensqualität einher: Besonders im Sommer oder beim Reisen fiel es schwer, das Verhalten konsequent anzupassen. Während manche schilderten, dass sie bereit waren, starkes Schwitzen durch lange Kleidung in Kauf zu nehmen, wollten andere die Sonne trotz des Risikos nicht komplett meiden.

Matthias Krämer beschreibt sein Sonnenschutzverhalten sowohl vor als auch nach der Hautkrebsdiagnose als nicht ausreichend.

Manche Interviewpartner*innen fanden es schwierig, die richtige Balance im Umgang mit der Sonne zu finden. Zu Beginn ihrer Erkrankung gingen sie davon aus, sich nun „einsperren“ zu müssen und wie ein „Vampir“ zu leben; diese Sichtweise relativierte sich bei den meisten im Laufe der Zeit. Der Verzicht auf Sonne machte viele dennoch traurig, zumal sie die Sonne nicht als Feindin betrachten wollten, sondern auch ihre Vorteile – etwa als Vitamin-D-Quelle und für das eigene Wohlbefinden – sahen. Hilfreich war für die Betroffenen insbesondere eine zunehmende Auseinandersetzung mit der eigenen Erkrankung sowie der Erwerb von Wissen über individuelle Grenzen und Schutzmaßnahmen. Durch ärztliche Beratung, eigene Erfahrungen und einen bewussteren Umgang mit Sonnenschutz lernten sie, Aufenthalte im Freien wieder differenzierter zu gestalten, was zu mehr Sicherheit und Lebensqualität beitrug.

Elke Gruber sieht in der Sonne auch klare Vorteile, aber ist vorsichtiger geworden.

Monika Bender findet es schade, dass sie nicht mehr uneingeschränkt in der Sonne sein kann.

Claudia Jansen möchte ihr Leben nicht vom Hautkrebs bestimmen lassen, aber sucht noch den richtigen Umgang mit der Sonne.

Ute Pfeifer fällt es schwer, dass die Sonne häufig als „Feindin“ angesehen wird.

Einige Interviewpartner*innen haben schließlich die Bedeutsamkeit von Aufklärung und Prävention hinsichtlich Sonnenschutz hervorgehoben. So engagiert sich eine Betroffene für Aufklärung in Schulen und Kitas, während andere spontane Gelegenheiten und Situationen nutzen, um Menschen auf Sonnenschutz aufmerksam zu machen. Für einige Interviewpartner*innen war es zudem wichtig, im Freundeskreis und unter Kolleg*innen zu kommunizieren, dass sie beispielsweise bei Outdoor-Treffen im Sommer gerne einen Schattenplatz hätten (siehe auch "Botschaften an Betroffene").