Erfahrungen mit Fachpersonal und Versorgungsstrukturen
Unsere Interviewpartner*innen berichteten, dass ihre Gesundheitsversorgung im ambulanten wie auch im stationären Setting durch verschiedene (Fach-)Ärzt*innen, unterschiedliche Behandlungen und Therapien gekennzeichnet war. Dies bedeutete für sie gleichzeitig viele Termine, zahlreiche Berührungspunkte mit verschiedenen Fachpersonen sowie eine komplexe Koordination zwischen den unterschiedlichen Einrichtungen und Fachrichtungen (siehe auch "Terminkoordination und Untersuchungen").
Die Erfahrungen unserer Interviewpartner*innen mit medizinischem Fachpersonal im ambulanten wie auch im stationären Versorgungsbereich waren im Krankheitsverlauf sehr unterschiedlich. Viele Interviewpartner*innen schilderten, dass sie sich in der Gesundheitsversorgung gut aufgehoben, sicher und ernstgenommen fühlten, wenn sie feste Ansprechpartner*innen unter den verschiedenen behandelnden Ärzt*innen hatten, diese sich Zeit nahmen und es ein freundliches Miteinander gab.
Jasmin Naumann schätzt es sehr, mittlerweile eine feste Ansprechpartnerin in der Uniklinik zu haben.
Peter Seifert hatte vollstes Vertrauen in seine Ärzt*innen.
Elisabeth Krug fand im Krankenhaus alle Ärzt*innen super.
Zudem empfanden es viele Interviewpartner*innen als besonders hilfreich, wenn ihre Ärzt*innen im stationären und im ambulanten Bereich gut vernetzt waren. Dies war insbesondere dann der Fall, wenn bereits über mehrere Jahre hinweg ein kontinuierlicher Kontakt zu den behandelnden Ärzt*innen bestand.
Kai Fritz erzählte, dass sein Hautarzt gut mit der Klinik vernetzt ist.
Kerstin Moser freut sich immer, wenn sie ihre Lieblingsärztin antrifft.
Manche Interviewpartner*innen berichteten, dass sie sich in Bezug auf ihre Diagnose, Behandlungsmöglichkeiten oder mögliche Nebenwirkungen nicht ausreichend aufgeklärt fühlten, oder es kam zu Kommunikationsschwierigkeiten zwischen unterschiedlichen Behandelnden. Auch Schnittstellenprobleme und Versorgungslücken innerhalb des Gesundheitssystems, etwa lange Wartezeiten oder wechselnde Ansprechpartner*innen, führten zu Verunsicherung und Frustration bei unseren Interviewpartner*innen.
Andreas Engels verwies auf die dermatologischen Versorgungslücken.
Vereinzelt berichteten Interviewpartner*innen von Interaktionen mit medizinischem Fachpersonal, in denen sie sich nicht ernst genommen fühlten. Manche wechselten daher ihre Ärztinnen, wenn sie dort nicht weiterkamen, während andere selbst aktiv wurden, zusätzliche Informationen einholten oder Unterstützung z. B. in Selbsthilfegruppen suchten (siehe auch "Botschaften an Fachpersonal und das Gesundheitswesen").
Stefan Richter hat sich in einer Herzklinik sehr respektlos behandelt gefühlt.
Susanne Hoppe wechselte die Ärztin, da sie nichts mehr machte.
Die Kommunikation mit dem Fachpersonal war für die meisten ein zentrales Thema. Viele berichteten, dass Fachsprache häufig nicht verständlich erklärt wurde oder Ärzt*innen grundsätzlich kaum mit ihnen interagierten.
Wolfgang Berg hatte Schwierigkeiten mit der Wortwahl seiner Ärzt*innen.
Zudem erlebten einige Interviewpartner*innen, dass ihre eigenen Symptome und Sorgen gelegentlich unterschätzt wurden. Daher entwickelten einige ein „dickes Fell“ oder setzten sich aktiv gegenüber Ärzt*innen durch. Manche holten bewusst Zweitmeinungen ein oder nutzten ihr eigenes Wissen beziehungsweise berufliche Kontakte im Gesundheitswesen, um ihre Versorgung aktiv mitzugestalten. Andere hingegen nahmen eine eher passive Rolle ein.
Jennifer Zimmer entwickelte ein stärkeres Durchsetzungsvermögen gegenüber dem Fachpersonal.
Für Ute Pfeifer war es anstrengend, Diagnosen und Befunde einzufordern.
Darüber hinaus spielten verschiedene äußere Faktoren eine Rolle, die die Versorgung beeinflussten – zum Beispiel der Wohnort, der Zugang zu spezialisierten Zentren oder persönliche Netzwerke. Informelle Kontakte und „Vitamin B“ wurden dabei häufig mit einem leichteren Zugang zur Versorgung und einer höheren Versorgungsqualität in Verbindung gebracht.
Katharina Hofmann fühlt sich in ihrem Wohnort sehr gut versorgt.
