Diagnosestellung und Erleben

Die meisten unserer Interviewpartner*innen beschrieben die Hautkrebsdiagnose als einschneidenden Moment, der mit sehr unterschiedlichen emotionalen Reaktionen verbunden war. Dabei spielte nicht nur die reine Diagnose, sondern auch die Einstufung bzw. Schwere des Krebses eine zentrale Rolle für das Erleben. Während einige die Diagnose zunächst nicht so ernst nahmen oder unterschätzten, reagierten andere mit großer Verunsicherung oder Todesangst, vor allem diejenigen mit malignem Melanom. Insgesamt wurde der Moment der Diagnosestellung als emotional intensiv erlebt, von Schock und Ohnmacht bis hin zu Hoffnung und Zuversicht.

Anfangs wirkte die Diagnose für Katharina Hofmann weniger bedrohlich.

Bernd Ziegler hat die Erstdiagnose nicht so ernstgenommen.

Klaus Lehmann war vom Wort Krebs geschockt, aber wollte das Beste aus der Situation machen.

Für Josef Ludwig war es wie im Traum, als er das Wort „bösartig“ hörte.

Viele Interviewpartner*innen erläuterten, wie ihre Vorerfahrungen mit Krankheiten und gesundheitsbezogenen Ängsten, der bisherige Krankheitsverlauf sowie soziale Faktoren – etwa Unterstützung durch Familie und Freund*innen oder die berufliche Situation – ihr subjektives Erleben, ihre Ängste und Unsicherheiten beeinflussten. Besonders belastend empfanden sie das Warten auf eine gesicherte Diagnose, zumal Informationen zunächst häufig unvollständig blieben und diagnostische Prozesse sich über einen längeren Zeitraum erstreckten. In dieser Phase suchten viele gezielt Halt bei ihrer Familie oder vertrauten sozialen Netzwerken, um die Situation zu bewältigen.

Matthias Krämer dachte nach der Diagnose direkt an seinen Vater, der an einem anderen Krebs verstorben war.

Zum Zeitpunkt ihrer Diagnose erinnerte sich Gisela Haase, selbst Krankenschwester, an Patient*innen mit derselben Erkrankung und deren Prognose.

Neben diesen persönlichen und sozialen Merkmalen war auch die Art der Übermittlung durch das medizinische Fachpersonal entscheidend für das Erleben des Diagnose-Moments. Nonverbale Hinweise wie Tonfall, Mimik oder Gestik wurden dabei als besonders einflussreich beschrieben. Einige Interviewpartner*innen hatten bereits vor der offiziellen Mitteilung eine Vermutung, während andere völlig unerwartet mit der Diagnose konfrontiert wurden. Als hilfreich empfanden viele ein einfühlsames, transparentes Vorgehen, klare Informationen und die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Belastend war hingegen, wenn Informationen unvollständig blieben, die Kommunikation hastig oder unsensibel erfolgte oder sie das Gefühl hatten, die Diagnose „zwischen Tür und Angel“ zu erhalten.

Anja Walter war erschrocken von der Diagnose und verärgert, dass die Hautauffälligkeit nicht sicherheitshalber entfernt wurde.

Susanne Hoppe fand die Art und Weise unmöglich, wie ihre Ärztin ihr die Diagnose am Telefon mitteilte, als sie mit dem Auto unterwegs war.

Stefan Richter hatte wegen der Verdachtsdiagnose auf seiner Krankschreibung schon vermutet, dass er Hautkrebs hat, bevor sein Arzt ihm die Diagnose mitteilte.

Unsere Interviewpartner*innen reagierten sehr unterschiedlich auf die Diagnose. Manche suchten sofort das Gespräch mit Angehörigen und erfuhren Unterstützung, während andere erlebten, dass ihre Angehörigen überfordert reagierten, etwa durch Tränen oder große Sorge. Wiederum andere zogen sich zunächst zurück oder versuchten, die Situation allein zu verarbeiten.

Kai Fritz akzeptierte die Diagnose nach und nach.

Petra Zeller wollte nach der Diagnose nicht krankgeschrieben werden.

Nicole Hansen erlebte die ersten Tage nach der Diagnose als sehr intensiv.

Besonders hilfreich im Umgang mit der Diagnose fanden unsere Interviewpartner*innen auch: Bewegung oder Zeit an der frischen Luft, das Suchen nach Informationen, zum Beispiel im Internet, sowie emotionale Verarbeitung durch Weinen, Wut oder Verdrängung (siehe auch "Ausgleich und Kraftquellen" und "Persönlicher Umgang und innere Haltung". Bei manchen standen zudem Sorgen um nahestehende Personen, insbesondere um die eigenen Kinder, stärker im Vordergrund als die eigene Gesundheit.

Sebastian Mertens musste erstmal an die frische Luft, als er die Diagnose eines Basalioms erhielt.

Martina Wenzel musste sich sammeln, bevor sie ihren Kindern von der Diagnose erzählte.