Kinder und Familie
Die meisten unserer Interviewpartner*innen berichteten, dass die Hautkrebserkrankung für sie nicht nur einen persönlichen Einschnitt darstellte, sondern das gesamte familiäre Umfeld betraf. Viele Interviewpartner*innen mit malignem Melanom erzählten von Sorgen um ihre Familienmitglieder, insbesondere um ihre Partner*innen und Kinder. Zugleich schilderten sie, dass die Erkrankung innerhalb der Familie häufig eine erhöhte Aufmerksamkeit für Vorsorge und Gesundheit auslöste.
Klaus Lehmanns Kinder und Enkelkinder haben sich große Sorgen gemacht.
Bei Nicole Hansen war die Diagnose ein Schock für die ganze Familie.
Die Belastung wurde von den Interviewpartner*innen als besonders groß erlebt, wenn Kinder, Eltern oder Partner*innen selbst erkrankt waren oder sich in anderen belastenden Lebenssituationen befanden. In diesem Zusammenhang beschrieben viele ein Spannungsfeld zwischen dem Wunsch, die Familie nicht zusätzlich zu belasten, und großer Dankbarkeit für die erfahrene Unterstützung.
Elke Grubers Sohn kümmert sich umfassend, obwohl er selbst Krebs hat.
Elisabeth Krug bedeutet es viel, dass sie sich auf ihren Sohn verlassen kann.
Unsere Interviewpartner*innen schilderten, dass die Unterstützung durch die Familie sich sowohl emotional als auch organisatorisch und praktisch zeigte, etwa in der Begleitung zu Untersuchungen und Therapien oder bei der Koordination von Terminen und Behördenangelegenheiten. Kinder, Eltern und Geschwister wurden von vielen Interviewpartner*innen insgesamt als zentrale Ressource im Umgang mit der Erkrankung erlebt.
Petra Zeller hatte meistens familiäre Begleitung bei ihren Untersuchungen.
Für Wolfgang Berg war Zeit mit seiner Familie eine wertvolle Ablenkung.
Viele Interviewpartner*innen berichteten, dass der Umgang mit den eigenen Kindern im Zusammenhang mit der Hautkrebserkrankung eine besondere Herausforderung darstellte. Eine zentrale Frage war dabei, wann, wie und in welchem Umfang sie ihre Kinder über die Erkrankung informieren sollten. Dieses Vorgehen hing maßgeblich vom Alter der Kinder ab. Während einige Interviewpartner*innen – insbesondere mit bereits erwachsenen oder älteren Kindern – offen mit der Diagnose umgingen und ihre Kinder bewusst in den Krankheitsprozess einbezogen, versuchten andere, vor allem bei jüngeren Kindern, sie zu schützen und Informationen – insbesondere zu Prognose, Therapie oder möglichen Risiken – zunächst zurückzuhalten.
Susanne Huber hat ihrer kleinen Tochter nicht direkt von der Hautkrebsdiagnose erzählt.
Anja Walter wollte ihre Kinder mit ihrer Diagnose nicht erschrecken.
Neben der kommunikativen Herausforderung äußerten v. a. diejenigen Interviewpartner*innen mit minderjährigen Kindern auch Sorgen um ihre elterliche Rolle. Sie beschrieben, dass sie sich aufgrund körperlicher und psychischer Erschöpfung nicht mehr in dem Maße um ihre Kinder kümmern konnten, wie sie es von sich selbst erwarteten. Dies führte teilweise zu Schuldgefühlen und der Angst, den Bedürfnissen der Kinder nicht gerecht zu werden. Einige Interviewpartner*innen berichteten zudem, dass ihre Kinder infolgedessen Auffälligkeiten zeigten, etwa Probleme in der Schule.
Als entlastend wurde es erlebt, wenn Unterstützung im familiären Umfeld vorhanden war. Insbesondere ältere Geschwister, die Verantwortung für jüngere Kinder übernahmen und aktiv im Alltag mithalfen, wurden als wichtige Hilfe beschrieben. Darüber hinaus halfen auch andere Bezugspersonen, wie Partner*innen, Großeltern oder enge Freund*innen, indem sie Betreuung übernahmen, emotionale Unterstützung boten oder für Stabilität im Familienalltag sorgten. Diese Formen der Unterstützung trugen dazu bei, die Belastung für die erkrankten Elternteile zu reduzieren und den Kindern trotz der Erkrankung ein Gefühl von Sicherheit und Normalität zu vermitteln.
Josef Ludwigs Sohn zeigte psychosomatische Reaktionen.
Vereinzelt berichteten unsere Interviewpartner*innen, dass sich ihr Verhalten und ihre Einstellung nach der Krebsdiagnose verändert hat. Auch Angehörige nahmen diese Veränderungen war.
Bettina Wetzels Tochter hat Veränderungen bei Bettina Wetzel wahrgenommen.
Viele Interviewpartner*innen erzählten, dass sich die Beziehungen in den Familien und die Kommunikation untereinander im Laufe der Krankheit veränderten. Während einige Angehörige verstärkt Nähe suchten und den Austausch intensivierten, zogen sich andere zurück, etwa aus Unsicherheit im Umgang mit der Situation oder aufgrund emotionaler Überforderung. Nicht alle Interviewpartner*innen fühlten sich von ihrer Familie verstanden oder ernst genommen; vereinzelt berichteten sie von mangelnder Unterstützung oder konflikthaften Beziehungen.
Katharina Hofmann hat gelernt, ihre Familie in ihre Krankheit einzubeziehen.
Daniela Steffens Familie wusste nicht, wie sie mit ihr umgehen sollte.
Peter Seifert hat es traurig gemacht, dass seine eigenen Töchter ihm keinen Rückhalt gegeben haben.
In schwierigen Situationen, aber auch mit dem Wunsch, Angehörige nicht zusätzlich zu belasten, suchten manche Interviewpartner*innen Unterstützung außerhalb der Familie, beispielsweise in Selbsthilfegruppen. Darüber hinaus gewann das Setzen von Grenzen an Bedeutung, etwa, wenn gut gemeinte Recherchen oder eine als übermäßig empfundene Fürsorge als belastend erlebt wurden.
Laura Ullrich musste Grenzen gegenüber ihrer Mutter setzen.
Martina Wenzel kann mit anderen Betroffenen offener reden, als mit ihrer Familie.
