Auswirkungen auf den Alltag
Unsere Interviewpartner*innen berichteten von unterschiedlichen Auswirkungen der Erkrankung auf ihren Körper, ihr alltägliches Leben sowie ihren beruflichen Alltag. Viele Interviewpartner*innen beschrieben als Folgen der Erkrankung und Behandlung unterschiedliche körperliche und kognitive Beschwerden, z. B. verminderte körperliche Belastbarkeit, Müdigkeit, Gedächtnisprobleme und Konzentrationsstörungen. Die Intensität dieser Beschwerden variierte und war oftmals tagesformabhängig. Unsere Interviewpartner*innen berichteten von Strategien und Ressourcen, die ihnen halfen, besser mit den körperlichen und psychischen Folgen der Erkrankung umzugehen (siehe Unterstützung und Umgang). Dazu gehörten z. B. Pausen im Alltag, der Austausch mit anderen Betroffenen sowie Entspannungsübungen.
Jennifer Zimmer nahm sich Zeit beim Lesen.
Josef Ludwig hat Alltagsaktivitäten angepasst, die sich auf sein Gehör beziehen.
Ute Pfeifer konnte nach der OP lange nur auf dem Rücken schlafen.
Manche Interviewpartner*innen berichteten, wie ihnen das das Ausführen alltäglicher Aktivitäten, z.B. Wäsche falten, aufgrund der körperlichen Beschwerden schwer fiel und teilweise „erschien nichts mehr möglich“. Viele erlebten Einschränkungen in ihrer Mobilität und Selbstständigkeit im Alltag. In der Folge berichteten einige über ein nachlassendes Interesse an zuvor bedeutsamen Aktivitäten und eine verminderte Lebensqualität. Dies belastete und verunsicherte manche unserer Interviewpartner*innen sehr. Bei einigen bestanden diese Einschränkungen dauerhaft, während sie bei anderen nur temporär auftraten, insbesondere während Phasen der Wundheilung oder Behandlungen. Eine große Stütze im Alltag waren den meisten Interviewpartner*innen ihre Partner*innen, Familie und Freund*innen. Einzelne Interviewpartner*innen verfügten bereits über einen Pflegegrad oder erhielten eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV).
Elke Gruber gibt die Hoffnung nicht auf.
Katharina Hofmann geht es emotional besser als körperlich und sie ist dafür sehr dankbar.
Viele Interviewpartner*innen berichteten, dass sie im Alltag die Unterstützung von Angehörigen, Freund*innen oder professionellen Angeboten in Anspruch nahmen. Für diese Unterstützung waren viele sehr dankbar. Gleichzeitig fiel es manchen schwer, Hilfe anzunehmen. Gelegentlich empfanden sie das engste Umfeld als zu besorgt oder überfürsorglich, was sie irritierte. In solchen Situationen beschrieben unsere Interviewpartner*innen es als besonders hilfreich, wenn sie offen über ihre Bedürfnisse sprachen und gemeinsame Absprachen mit ihrem Umfeld vereinbarten, etwa um wiederholte Nachfragen nach dem Befinden zu reduzieren.
Claudia Jansen musste lernen, Hilfe anzunehmen.
Die jüngste Tochter von Jutta Döring hat ihr sehr viel geholfen.
Angelika Schüler verabredete mit ihrem Ehemann, dass er nur einmal nach Unterstützung fragen sollte.
Vor allem viele Interviewpartner*innen mit malignem Melanom erlebten, dass sie aufgrund der Folgen der Krankheit und der Behandlungen nicht mehr so leistungsfähig waren wie früher. Ihre neuen persönlichen Grenzen zu begreifen und zu akzeptieren, fiel ihnen zunächst schwer und brauchte Zeit. Auch beruflich zeigten sich Auswirkungen der Krankheit. Vereinzelt berichteten Interviewpartner*innen, dass sie zwischen Behandlungen wie Immuntherapie oder Bestrahlung weiterarbeiteten. Für einige erwies es sich dabei als hilfreich, die Behandlungen ans Ende der Woche zu legen. Viele Interviewpartner*innen konnten nicht mehr arbeiten oder gingen frühzeitig in Rente. Daher mussten sie plötzlich ihren Alltag neugestalten. Einzelne Betroffene mit hellem Hautkrebs berichteten jedoch auch von kaum vorhandenen Einschränkungen, insbesondere dann, wenn keine schwerwiegenden Therapiefolgen auftraten und nach operativen Eingriffen eine Rückkehr in den Alltag und ins Berufsleben möglich war.
Jasmin Naumann hat sich im Alltag sehr zerrissen gefühlt.
Daniela Steffens hat gemerkt, dass sie alles nicht mehr so schafft wie früher.
