Botschaften an Fachpersonal und das Gesundheitswesen

Unsere Interviewpartner*innen haben verschiedene Erfahrungen mit medizinischem, pflegerischem und therapeutischem Personal gemacht. Aufgrund dieser haben sie zahlreiche Botschaften an die Fachpersonen und das Gesundheitssystem ausgesprochen. Viele Interviewpartner*innen fühlten sich umfassend betreut und wertgeschätzt, während andere schlechte Erfahrungen machten.

Die meisten Interviewpartner*innen thematisierten darüber hinaus allgemeine Probleme des Gesundheitssystems und waren sich dem Zeitdruck und der Arbeitsbelastung des Gesundheitspersonals bewusst. Viele Interviewpartner*innen äußerten Verständnis für die Situation der Behandelnden, sprachen dennoch Wünsche aus.

Den meisten Interviewpartner*innen war es ein Anliegen, dass Ihre Ärzt*innen den Hautkrebs nicht nur fachlich betrachten, sondern auch private Umstände und emotionale Aspekte berücksichtigen und mit Empathie reagieren. Sie wünschten sich, dass diese Soft Skills mehr Raum in der medizinischen Ausbildung finden.

Laura Ullrich ist es sehr wichtig, dass ihre Erkrankung nicht nur fachlich betrachtet wird, sondern die Ärzt*innen auch private und emotionale Aspekte berücksichtigen.

Wolfgang Berg empfindet die Gefühle der Patient*innen als sehr bedeutsam.

Gute Kommunikation ist für Kerstin Moser zentral.

Angelika Schüler fand es gut, dass faktenbasiert kommuniziert wurde, aber betont auch, wie wichtig Menschlichkeit und individuelle Kommunikation sind.

Viele Interviewpartner*innen haben z. B. aufgrund der Nachsorge langjährig Berührungspunkte mit dem Versorgungssystem und ihren Ärzt*innen. So entwickelte sich bei einigen eine gewisse Vertrautheit mit dem Personal.

Peter Seifert schätzte es, dass er in seiner dermatologischen Praxis ehrlich nach seinem Befinden gefragt wird.

Ehrlichkeit und Empathie waren für die meisten unserer Interviewpartner*innen ein wichtiges Kriterium für eine gute Versorgung durch das Fachpersonal. Sie wünschten sich, dass die Ärzt*innen versuchen, sich in ihre Patient*innen hineinzuversetzen und trotz stressigem Arbeitsalltag sensibel zu kommunizieren. Ihnen war bewusst, dass die Fachpersonen nicht jedes Schicksal aufsaugen können, aber Freundlichkeit und Höflichkeit sahen sie als wichtige Voraussetzung in der Versorgung. Dies kann bereits dabei anfangen, dass sich die Ärzt*innen kurz die Zeit nehmen, sich vorzustellen. Viele Betroffene fühlten sich durch eine empathische und ehrliche Kommunikation sicherer und konnten informierte Entscheidungen treffen.

Petra Zeller ist dankbar für ihre Ärzt*innen, die nicht nur die Diagnose, sondern sie als Mensch gesehen haben.

Thomas Kellner betonte, dass Ärzt*innen durch Ehrlichkeit und Zuwendung dazu beitragen, dass Erkrankte sich an der Behandlungsentscheidung beteiligen können.

Anja Walter empfindet eine kurze Begrüßung durch das Fachpersonal bereits als Erleichterung für Betroffene.

Das Thema Zeit ist ein weiterer Aspekt, den unsere Interviewpartner*innen in ihren Botschaften ansprachen. Sie waren sich dem Zeitdruck des Fachpersonals bewusst; dennoch hätte ein bisschen mehr Zeit ihnen viele Situationen erleichtert. So haben sich z. B. einige Interviewpartner*innen nicht getraut, Fragen zu stellen, weil sie dem bereits gestressten Personal nicht auch noch zur Last fallen wollten, aber auch aus Angst vor der Antwort. Dadurch blieb manchmal eine Unsicherheit bei den Betroffenen zurück. Andere wurden durch das Fachpersonal ermutigt, all ihre Fragen zu stellen oder haben sich selbst den Raum für Fragen und Antworten eingefordert (siehe auch Erfahrungen mit Fachpersonal und Versorgungsstrukturen).

Manfred Drescher hat sich von seinem Arzt auch wegen der fehlenden Zeit nicht ernstgenommen gefühlt.

Dirk Winter konnte manchmal die Untersuchungsbefunde nicht deuten, doch seine Ärzt*innen ermutigten ihn dazu, nachzufragen.

Bettina Wetzel hatte Angst, Konkreteres über ihre Krankheit zu erfahren und nahm alle Aussagen der Ärzt*innen hin.

Manche Interviewpartner*innen betonten, dass zur Kommunikation zwei Seiten dazugehörten und auch die Patient*innen den Versorgenden höflich und freundlich behandeln sollten. Vor dem Hintergrund, dass viele Interviewpartner*innen sich in die Situation des Fachpersonals hineinversetzt haben und ihnen die Arbeitsbelastung bewusst war, merkten sie an, dass viele Probleme auf Ebene des Gesundheitssystems zu finden seien.

Monika Bender sieht die Verantwortung für eine gute Kommunikation auf beiden Seiten, bei Patient*innen und Personal.

Für die Gesundheitsversorgung bei Hautkrebs wünschten sich insbesondere die Betroffenen, die aufgrund der modernen Immuntherapie eine Hypophysitis entwickelt haben, dass Ärzt*innen diesbezüglich besser aufgeklärt werden. Auch potenzielle Anlaufstellen für Menschen mit Nebenwirkungen waren den Betroffenen ein Anliegen. Zwar sprachen einige Interviewpartner*innen darüber, dass Hautkrebs direkt in Hauttumorzentren bzw. an Universitätskliniken behandelt werden sollte und nicht im ambulanten Bereich. Es gab jedoch auch Personen, denen es wichtig war, dass auch Hausärzt*innen mehr dafür geschult werden, auf potenzielle Hautveränderungen zu screenen und hierfür sensibilisiert zu sein, damit Betroffene schnellstmöglich entsprechend versorgt und behandelt werden. Bei seltenen Hautkrebsformen wie Gorlin-Goltz bestand vor allem der Wunsch nach mehr Aufklärung und Forschung. Schließlich wünschten sich manche Interviewpartner*innen die Offenheit des Personals auch für komplementäre und alternative Verfahren.

Andreas Engels wünschte sich, dass Hausärzt*innen intensiver geschult werden bezogen auf Hautkrebs.

Christa Riedel ist es wichtig, dass mehr über Gorlin-Goltz informiert und geforscht wird.